Meine Lieblingsgedichte

lieblingsgedichte

Ob uns ein Gedicht gefällt oder nicht, ist mehr als eine reine Geschmacksfrage. Denn die Schönheit von Lyrik liegt unter anderem an der sprachlichen Form. Ob Ballade, Glosse, Limerick oder ein dreizeiliger Haiku – es sind die Unterschiede in den Reimen, dem Versmaß und den Metaphern, die uns begeistern, inspirieren oder verzaubern.

Für mich ist ein Gedicht dann etwa ganz besonderes, wenn die geschriebenen Worte die Gabe besitzen immer wieder neue Bilder in meinem Kopf entstehen zu lassen oder fast vergessene Erinnerungen wecken. Ich genieße es mit den Worten der Autoren malerische Landschaften zu erkunden oder bewegenden Ereignissen beizuwohnen.

Die Lebendigkeit dieser Gedichte, die einige von euch vielleicht schon aus meinen Instagram-Beiträgen kennen, erzeugen bei mir emotionale Reaktionen, da sie einen Bezug zu persönlichen Erinnerungen haben.

Diese Lieblingsgedichte möchte ich euch hier in regelmäßigen Abständen vorstellen und euch natürlich auch das Foto zeigen, das den beschriebenen Moment zeigt, an den ich beim Lesen gedacht habe:

WAS SCHÖN WÄRE….
Dodo Kresse

Was schön wäre….

Einen Mond lang 
unter Wasser leben,

mit Kiemen atmen 
und die Stille erleben.

Ganz Meer werden. 
„ADIEU“ SAGT DER SOMMER
Elke Bräunling

„Adieu“, sagt der Sommer. 
Er reicht dem Herbst die Hand 
und schickt die letzte Sommersonne 
zum Abschied übers Land.

„Adieu“, sagt der Sommer, 
und Trauer schwingt in seinem Wort 
leise mit ihm durch die Lüfte. 
Nur schweren Herzens geht er fort.

„Adieu“, sagt der Sommer, 
er macht sich langsam rar. 
Seine Zeit ist nun zu Ende. 
Der Herbst, der ist bald da.
Aussichtspunkt Binsrain
ICH WÜNSCHE DIR ZEIT 
Elli Michler

Ich wünsche dir nicht alle möglichen Gaben.
Ich wünsche dir nur, was die meisten nicht haben:
Ich wünsche dir Zeit, dich zu freun und zu lachen,
und wenn du sie nützt, kannst du etwas draus machen.

Ich wünsche dir Zeit für dein Tun und dein Denken,
nicht nur für dich selbst, sondern auch zum Verschenken.
Ich wünsche dir Zeit – nicht zum Hasten und Rennen,
sondern die Zeit zum Zufriedenseinkönnen.

Ich wünsche dir Zeit – nicht nur so zum Vertreiben.
Ich wünsche, sie möge dir übrig bleiben
als Zeit für das Staunen und Zeit für Vertraun,
anstatt nach der Zeit auf der Uhr nur zu schaun.

Ich wünsche dir Zeit, nach den Sternen zu greifen,
und Zeit, um zu wachsen, das heißt, um zu reifen.
Ich wünsche dir Zeit, neu zu hoffen, zu lieben.
Es hat keinen Sinn, diese Zeit zu verschieben.

Ich wünsche dir Zeit, zu dir selber zu finden,
jeden Tag, jede Stunde als Glück zu empfinden.
Ich wünsche dir Zeit, auch um Schuld zu vergeben.
gerhard_steil_die_stille
DIE STILLE
Gerhard P. Steil

Stille Zeit
ist kaum zu haben
Stille Zeit ist Utopie
An der Stille sich zu laben
gibt es selten oder nie

Also lass 
den Rat dir geben:
Greife zu und halte fest
wenn dir irgendwann das Leben
etwas Stille überlässt.
ABENDSPAZIERGANG
Hans Müller

Die Dämmerung beginnt,
Nun lässt man alles stehen,
Paar Schritte will ich gehen,
Solang der Tag noch winkt.

Ich fühle mich nicht einsam,
Die Nacht, sie hüllt mich ein,
Doch denk ich, dass ich langsam
Zurückkehr in mein Heim.

Und wenn ich dann im Bett bin,
Kann ich gewiss gleich ruhn;
Spazierengehn am Abend
Sollt’ jeder einmal tun!
WENN DIE BLÄTTER BUNT SICH FÄRBEN
Elke Bräunling

Wenn die Blätter bunt sich färben,
kommt der Herbst wie uns bekannt,
fröhlich an mit seinem Pinsel.
Bunt wird es bei uns im Land.

Wenn die Blätter bunt sich färben,
rauft der Herbst wie uns bekannt,
wild mit seinen Windgesellen,
und es stürmt bei uns im Land.

Wenn die Blätter bunt sich färben,
ruft der Herbst, wie uns bekannt,
den Tieren zu „Passt nur gut auf,
bald wird`s wieder kalt im Land.“

Wenn die Blätter bunt sich färben,
steht der Herbst, wie uns bekannt,
auch vor unsrer Tür und rät uns:
„Zieht euch warm an jetzt im Land.“
WOLKENBILDER
Irmela Brender

Jennifer und Florian 
schauen sich die Wolken an. 
Dauernd ändert sich das Bild, 
das da aus dem Himmel quillt: 

Zuckerwatte, Sahneeis 
wogen luftig cremigweiß. 
Grauer Rauch ballt sich am Rand 
zur enormen Rächerhand

Alles ändert sich im Nu – 
ich seh dies, und das siehst du. 
Aber es ist wunderschön, 
in den Wolken fernzusehn.
HERBST
Ludwig Strunz

Noch ist es bunt dort auf den Bäumen
Und wunderschön so anzusehn
Es macht so Spaß davon zu träumen
Wenn wir darunter spazieren gehen.

Doch langsam löst sich Blatt für Blatt
Und sinkt herunter auf die Erde
Und auch die Straßen werden glatt
Jetzt ist es Zeit, dass Herbst es werde.

Auch bald schon färbt sich bunt die Erde
So schön wie vorher nur der Baum
Schau, auf der Wiese steht die Herde
Des Schäfers - so friedlich anzuschau‘n.

Doch bald schon wird der Schnee bedecken
Alles was bis jetzt noch grün
Das Schöne wird sich dann verstecken
Und nichts mehr wird so bunt dann blühn.
WIR WOLLEN HEUT DIE STILLE MALEN
Elke Bräunling

Wir wollen heut die Stille malen.
Nehmt ein Blatt Papier heraus
und denkt nach, allein, gemeinsam:
Wie sieht ‘Stille’ denn bloß aus?

Gleicht die Stille einer Wolke?
Federleicht zieht sie dahin
über uns ganz hoch am Himmel.
Keiner weiß, woher, wohin?

Sieht sie aus wie eine Wiese
bunt mit Blumen und viel Gras?
Oder gleicht sie einem Bachlauf,
einem See, Wald… ? Oder was?

Gibt’s die Stille auch am Tage
oder nachts im Mondscheinlicht?
Findest du sie auf der Straße
oder hat sie ein Gesicht?

Ist sie da, wenn’s draußen regnet
oder wenn die Sonne scheint?
Wenn du fröhlich bist und lächelst
oder wenn in dir ‘was weint?

Ja, sie ist sehr schwer zu malen.
Mach einfach die Augen zu
und denk dir dein eignes Bild aus!
Stille findest so auch du.
ABENDSPAZIERGANG
Ingo Baumgartner

Die Sonne streift am nahen Wald
Das Wipfelreich zur Abendstunde.
Ich mach mich auf, es dämmert bald, 
Genieße eine späte Runde.

Allein durchmesse ich die Flur,
Begleitet dennoch von Gedanken.
Ich bringe sie auf meine Spur,
Von der sie sich zur Höhe ranken.

Die Wolke weicht dem sanften Strahl,
Das Buchenschwesternpaar wird golden.
Noch zeigt sich Wiesengrün nicht fahl,
Satt leuchten gelbe Blütendolden.

Die Amsel stellt den Lockruf ein,
Ein Käuzchen ruft schon, kaum zu hören.
Der Ringeltauber gurrt allein,
Kein Täubchen lässt sich jetzt betören.

Ich lenke meinen Schritt nach Haus,
Im Kopfe Frohsinn und Erstaunen.
Doch morgen zieh ich wieder aus
Und horche, was die Felder raunen.
regina_meier_zauberhafte_herbstzeit
ZAUBERHAFTE HERBSTZEIT
Regina Meier zu Verl

Blätter fallen, Blätter schweben,
auf ein Bett aus Moos gemacht.
Gebündelt scheint das Licht soeben,
beleuchtet buntes Herbstlaub sacht.

Heimlich legt der Nebel Decken,
auf die Felder und die Weiden.
Er verbirgt die Gartenhecken,
die vom Laube sich entkleiden.

Es umarmen Efeuranken,
Bäume und das tu auch ich.
Scheuche fort trübe Gedanken,
werde froh, erinnere mich.

Deine Farben machen trunken,
deine Früchte nähren mich.
Bin in Dankbarkeit versunken,
Herbstzeit, ja ich liebe dich.

Kennst du auch meine Lieblingszitate?

Es gibt so Sätze, die ich zufällig aufgeschnappt, gehört oder gelesen habe und die mich teilweise bereits mein halbes Leben lang begleiten. Manche machen mir Mut, geben mir Kraft oder erinnern mich immer wieder an das Wesentliche. Wenn du wissen möchtest wie viel man mit ganz wenigen Worten ausdrücken kann, dann schau doch einmal bei meinen Lieblingszitaten vorbei.