Auf den Spuren der Druiden (Erster Tag)

Fänkische Schweiz

Als kleiner Junge war ich selten begeistert wenn meine Eltern die Fränkische Schweiz als Ausflugsziel für das Wochenende eingeplant hatten. Sie mussten schon tief in die Trickkiste greifen um meine Schwestern und mich mit Minigolf spielen in Gößweinstein, Eis essen in Ebermannstadt oder einem Besuch der Teufelshöhle in Pottenstein davon abzulenken dass ein Großteil der familiären Unternehmung mit Laufen in freier Wildbahn zu tun hatte.

Mittlerweile zieht es mich regelmäßig raus in die Natur und ich empfinde dabei pure Freude und eine große Unbeschwertheit, was man in meinem Wanderlied das ich im vergangenen Jahr für mein Bandprojekt AMELY DAY geschrieben habe, hören kann. Nur in der dritten Strophe lasse ich ein wenig ironisch, kleine Erinnerungen an diese Ausflüge einfließen.

Die erste Warm-Up Tour

Vor ein paar Monaten fragte ein guter Bekannter per Mail bei mir an ob ich nicht Lust hätte mit ihm für ein paar Tage in die Fränkische Schweiz zum „Bierwandern“ zu fahren. Wir telefonierten kurz und nachdem wir unser Programm für die drei Tage abgestimmt hatten, saßen wir einige Wochen später bereits im Auto und fuhren an einem herrlichen Spätsommertag der Sonne entgegen, Richtung Forchheim.

Von meiner Alten Heimat aus, die man auch das „Tor zur Fränkischen Schweiz“ nennt, war es dann noch eine halbe Stunde Fahrtzeit bis wir unser Ziel, das Hotel Goldener Stern in Muggendorf erreicht hatten.

Fränkische-Schweiz

Die Wanderschuhe lagen bereits griffbereit im Kofferraum und nachdem wir unser Gepäck in unserem Zimmer abgestellt hatten waren wir bereit für die erste Warm-Up-Tour die ihren Ausgangspunkt nur wenige hundert Meter von unserem Hotel entfernt hatte. Wir starteten unsere Wander-App und der Weg führte, gleich ordentlich ansteigend, über den Oberen Markt hinauf zum Klosterberg und von dort direkt hinein in die bunte Natur die für mich zu keiner Jahreszeit schöner ist als im Herbst.

Ich war überwältigt von der Farbenpracht der Blätter die wie ein bunter Teppich uns zu Füßen lagen, die Grün- und Brauntöne der Bäume und das leuchtende Grün der Moosbewachsenen Felsen die wie kleine Skulpturen zwischen den Bäumen platziert wirkten.

Nach einer kurzen Wegstrecke traten wir aus dem Wald heraus und die Sonne überstrahlte das malerische Aufseßtal. Wir folgten dem Wasserlauf der Wiesent und überquerten an einer kleinen Mühle das sanft fließende Gewässer.

Während uns die Sonnenstrahlen mit Vitamin D und ganz viel Lebensenergie versorgten unterhielten wir uns über die Fränkische Schweiz und ich erzählte meinem Bekannten dass hier die Region mit den meisten Brauereien in Deutschland und der höchsten Brauereidichte weltweit ist. Bei diesem Thema dachten wir auch gleich an unser erstes Seidla Bier und freuten uns darauf.

Fränkische-Schweiz

MONTAG RUHETAG

Gegen Mittag erreichten wir einen Rasthof der uns mit der eindeutigen Botschaft „Montag Ruhetag“ empfing was für einen kurzen Moment unsere überschwängliche Stimmung ein klein wenig trübte. Doch das nächste Highlight des Tages wartete bereits wenige Kilometer weiter auf uns: die Riesenburg. Eine imposante Versturzhöhle die zu den geologischen Naturwundern Bayerns gehört.

Während wir uns Stufe um Stufe auf dem 43 Meter langen Weg durch den ausgehöhlten Felsen nach oben bewegten, stellte ich mir beim Blick in den offenen Felsen vor wie sich hier regelmäßig musikbegeisterte Menschen treffen und an kleinen Feuerstellen in den Felsnischen mit einem Glas Rotwein in der Hand meinen Songs lauschen die ich von dem kleinen Verbindungssteg im oberen Drittel der Höhle performe …. Tagträume sind etwas sooo wunderschönes ….

Wir liefen weiter Richtung Engelhardsberg und sahen vor unseren geistigen Augen bereits wieder ein frisch gezapftes Seidla Bier. Und zwar so lange bis sich unsere Vision durch ein kleines Schild mit der Aufschrift „Montag Ruhetag“ auflöste. Wir standen vor dem kleinen Trödelladen No.9 dessen Besitzer unter dem Motto „Altes & Neues“ kunterbunt zusammengetragenes Allerlei ausstellen und dazu Kaffee und Kuchen anbieten.

Während wir darüber sprachen dass jetzt eigentlich die ideale Zeit für einen heißen Kaffee und ein leckeres Stück selbst gebackenen Kuchen wäre, öffnete sich die Türe und eine freundliche ältere Dame fragte nach unseren Wünschen. Es sei zwar Ruhetag aber sie hätte einen frisch gebackenen Käsekuchen und ein Kaffee wäre auch schnell aufgebrüht. Wir konnten unser Glück kaum fassen. So saßen wir von der Sonne beschienen auf bunten Gartenstühlen im Freien und genossen das Leben.

Von Engelhardsberg ging es auf einen über Felder und Wiesen führenden Wanderweg zum Aussichtsfelsen Adlerstein. Von hier oben erfreuten wir uns eine ganz Weile am herrlichen Blick über die Mittelgebirgslandschaft der Fränkischen Schweiz bevor wir den Rückweg nach Muggendorf fortsetzten.

Dank der wirklich empfehlenswerten Wander-App und einer großen Hinweistafel haben wir dann auch noch unser letztes Ziel gefunden: die Quakenburg. Jene sagenumwobene Burg von der neben einem Felsen und einer kleinen Höhle nichts mehr zu sehen ist.

Während wir auf einem leicht verwurzelten und felsigen Pfad durch den Wald liefen, besprachen wir den weiteren Verlauf des Tages. Unser Hotel hatte einen Saunabereich den wir ausgiebig nutzen wollten um danach den Abend mit einer herzhaften Brotzeit und einem frisch gezapften Seidla Bier ausklingen zu lassen. Das klang nach einem perfekten Plan und wir waren uns sicher an diesem Tag keinem „Montag Ruhetag“ Schild mehr zu begegnen.

Auf den letzten Kilometern war der Weg gesäumt von beeindruckenden Felsenlandschaften die wir mit Kamera und iPhone noch gebührend festhalten mussten. Als wir wieder ins Tal kamen erreichten wir, kurz nachdem wir eine Brücke überquert hatten die über einen ausgetrockneten Bachlauf führte, Muggendorf.

Eine fränkische Brotzeit und ein Seidla Bier

Beim Ausziehen der Wanderschuhe spürte ich dann doch ein klein wenig die gelaufenen Kilometer in meinen Beinen und so freute ich mich auf die Sauna um meine Muskulatur zu lockern und zu entspannen.

Der Saunabereich hatte eine angenehme Größe. Während des ersten Saunagangs kamen wir sofort mit den anwesenden Gästen ins Gespräch. Wir tauschten uns fröhlich zu den unterschiedlichen Wandertouren aus die jeder absolviert hatte und bekamen für unsere Tour die wir für den dritten und letzten Tag in Pottenstein geplant hatten nützliche Tipps.

Dann war es soweit! Nachdem wir im hauseigenen Restaurant jeweils eine Fränkische Brotzeitplatte bestellt hatten, bekamen wir unser erstes frisch gezapftes Seidla Bier gebracht und konnten endlich auf drei herrlich erholsame Tage AUSZEIT anstoßen! Und es tat gut zu spüren dass man die Spontanität der eigenen Jugend noch nicht verloren hatte und auch noch nicht im Strudel der Verpflichtungen verloren gegangen ist.

Fränkische-Schweiz

Die Brotzeitplatten wurden gebracht und meine Augen begannen zu leuchten. Roter und weißer Pressack, eine Leberwurst, geräucherter Schinken, Käse, ein Stück Göttinger mit Senf, eine Essiggurke und ein paar Radieschen. Dazu ein kräftiges Landbrot. Darauf hatte ich mich den ganzen Tag schon gefreut.

Wir belegten unsere Brote reichlich, orderten noch ein Seidla Bier und sprachen über unsere Tour für den nächsten Tag. Auf dem Plan stand der Brauereienweg in Aufseß der mit vier Privatbrauereien einen Weltrekord hält.

Mein persönliches Highlight war für den letzten Tag geplant. In der Nähe von Wohlmannsgesees liegen in einem DRUIDENHAIN tonnenschwere bemooste Felsblöcke beieinander und es wird gerätselt ob es sich hier um eine Kultstätte der Kelten handelt. Martinello, der wunderbare Bassist in meinem Bandprojekt AMELY DAY war vergangenes Jahr mit seiner Lebensgefährtin dort gewesen und hatte mir wunderschöne Bilder davon gezeigt.

Mit einem letzten Seidla Bier beendeten wir diesen wundervollen Tag und mit viel positiver Energie und spätsommerlich schönen Wetteraussichten für den kommenden Tag gingen wir zu Bett. (Weiterlesen)