Ein Jahr im Weinberg: Oktober

thüngersheimer weinberg

Die Weinlese folgt keinem statischen Ablauf, sondern eher Zeitfenstern, innerhalb derer die Rebsorten geerntet werden können. Während dieser Zeit ist von den Winzern und Winzerinnen viel Gespür und Intuition gefragt, um den optimalen Zeitpunkt der Traubenlese für den gewünschten Wein zu finden.

Die Traubenlese, die in der Regel bereits im September mit der „frühen Sorte“ Rivaner (auch Müller-Thurgau genannt) beginnt, erstreckt sich bis in den Oktober hinein.

Während der Lese herrscht in den Weingüter am Tag und in der Nacht Hochbetrieb. Denn wer sich zu viel Zeit lässt, riskiert die Gesundheit seiner Beeren. Die Trauben die den Ansprüchen der Winzer und ihren Erntehelfern nicht genügen, bleiben im Weinberg oder werden spätestens bei der Selektion im Weingut von den aromatischen und gesunden Trauben getrennt.

Nach der Hauptlese, also mindestens 7 Tage nach dem Beginn der allgemeinen Lese, werden die Trauben für Spätlesen und höhere Qualitätsstufen geerntet.

Die Qualitätsstufen:
1.Der Tafelwein ist die unterste und weitverbreitetste Kategorie europäischer Weine, an die geringe qualitative Anforderungen gestellt werden (frz: vin de table; ital: vino da tavola)
2.Der Landwein ist ein gehobener Tafelwein mit Herkunftsbezeichnung. Landweine gibt es nur in den Geschmacksrichtungen trocken und halbtrocken.
3.Beim Qualitätswein ohne Prädikat (QbA = Qualitätsweine bestimmter Anbaugebiete) werden der regionale oder lokale Ursprung des Weins, die Traubenzusammensetzung, die Mengenbegrenzung und der Mindestalkoholgehalt (min 7% Vol.) festgelegt.
4.Beim Qualitätswein mit Prädikat gibt es folgende Prädikate: Kabinett, Spätlese, Auslese, Beerenauslese, Eiswein, Trockenbeerenauslese. Diese Weine dürfen nicht mit Alkohol angereichert werden.
5.Ein Kabinett ist die niedrigste Stufe der Qualitätsweine mit Prädikat, d.h. zwischen einfachen Qualitätsweinen und Spätlesen eingestuft.
6.Die Spätlese Trauben sind in der Regel reifer und ergeben einen hochwertigeren Most. Sie werden nach der Hauptlese geerntet.
7.Eine Auslese ist eine deutsche Prädikatsstufe für meist süße oder edelsüße Weine mit 90 bis 100 Grad Öchsle, aber auch für ebenso hochgradige, trockene Weine.
8.EIne Beerenauslese ist ein ganz besonderer, sehr seltener und entsprechend teurer Wein, der aus einzeln herausgeschnittenen, edelfaulen, wenigstens überreifen Beeren erzeugt wird.
9.Eiswein entseht wenn bei der Weinlese und Kelterung starker Frost von mindestens -7° C herrscht.
10.Eine Trockenbeerenauslese ist ein konzentrierter, edelsüßer Wein der höchsten Qualitätsstufe (in Deutschland mindestens 150 Grad Öchsle), der nur aus rosinenartig eingetrockneten Beeren, die einzeln aus einer Traube herausgepickt werden, gewonnen wird.

Da im Oktober die Arbeit mit den frühen Sorten für gewöhnlich schon etwas zurückliegt, ist wieder Platz für Rebsorten, die etwas länger brauchen um sich optimal zu entfalten, oder zu edelsüßen Weinen verarbeitet werden sollen.

Auch jetzt heißt es wieder: Pressen, Vergären und während des gesamten Vorgangs auf optimale Temperaturen und die richtigen Hefen achten. Das betrifft auch den Zusatz möglicher Nährstoffe, die im Most unter Umständen nicht in ausreichender Konzentration vorhanden sind. Sensorik und Achtsamkeit sind nun gefragt. Eine spannungsgeladene Zeit in der die Trauben ihr „zweites Leben“ beginnen.

Während der Gärung des Weins führen die Winzer:innen akribisch Buch. Die sogenannte Gärkurve zeigt ihnen, wie sich ihre Weine entwickeln und über wie viel Restzucker oder Restsäure sie verfügen. Es ist wichtig, den Prozess sehr genau zu überwachen, um eventuell unerwünschte Schwankungen schnell ausgleichen zu können. Die Veredelung des Weins nach der Gärung ist eine der wichtigsten Aufgaben im Oktober.

Im Weinberg kehrt nun Ruhe ein. Die Blätter haben ihr buntes Kleid angelegt und die Rebsorten präsentieren sich in den Farben der Ampel-Koalition – grün, gelb und rot. Ein herrlicher Anblick wenn die Sonne ihre Farben zum Leuchten bringt – „Indian Summer“ in den Weinbergen.