【Beitrag enthält Werbung】
Wer im Landkreis Tübingen, dem sogenannten Früchtetrauf, ein Weinfest oder eine Besenwirtschaft besucht, kommt in der sehr zwanglosen Atmosphäre recht schnell mit den geselligen Bewohnern in Kontakt. Und beim gemeinsamen schöppeln und Maultäschle essen, werden schon bald die ersten Gôgen-Witze erzählt.
Was es damit auf sich hat und wo mir die Gôgen beim Stadtbummel durch die Tübinger Altstadt und im vom Weinbau geprägten Tübingen-Unterjesingen begegnet sind, verrate ich euch in diesem Beitrag.



Stadtbummel durch die Tübinger Altstadt
Nach einer erholsamen Nacht und einem ausgewogenen Frühstück, das ich mir am reichhaltigen Frühstücksbuffet im Hotel Württemberger Hof in Rottenburg zusammengestellt habe, geht es mit der Bahn nach Tübingen. Als AlbCard Besitzer fahre ich mit Bus und Bahn natürlich gratis und habe zusätzlich noch freien Eintritt bei vielen Top-Sehenswürdigkeiten.
Die Fahrtzeit nach Tübingen beträgt nur zehn Minuten und so verlasse ich entspannt den Tübinger Hauptbahnhof und folge den Hinweisschildern Richtung Altstadt.
Bevor ich meinen Rundgang durch die Universitätsstadt starte, hole ich mir in der Touristinformation an der Eberhardsbrücke den Flyer „Rundgang durch die Altstadt“ in dem die wichtigsten Sehenswürdigkeiten gekennzeichnet und kurz beschrieben sind.
Danach genieße ich den herrlichen Blick von der Eberhardsbrücke auf den Neckar mit seinen Stocherkähnen, die historische Altstadt mit ihren Fachwerkhäusern, das imposante Schloss Hohentübingen sowie einen der bekanntesten Türme Tübingens, dem Hölderlinturm.
Tipp: Stocherkahnfahren gehört zu einem der beliebtesten Freizeitvergnügen in Tübingen. Von Mai bis September könnt ihr, täglich um 13.00 Uhr, samstags auch um 17.00 Uhr, bei einer gemütlichen Fahrt entlang der romantischen Neckarfront Stiftskirche, Hölderlinturm, Evangelisches Stift, Burse und Schloss Hohentübingen vom Wasser aus entdecken.



Im Viertel der Tübinger Gôgen
Ich beschließe meinen Stadtrundgang in der Tübinger Unterstadt zu beginnen und laufe von der Eberhardsbrücke über den Holzmarkt mit der spätgotischen Stiftskirche St. Georg zum Nonnenhaus. Berühmt wurde das, mit über 30 Meter Länge zu den größten Fachwerkhäusern der Tübinger Altstadt zählende Haus, durch den Tübinger Medizinprofessor Leonhard Fuchs. Der bewohnte es ab 1535 und kutivierte im anliegenden Garten zahlreiche Arzneipflanzen, die den Ursprung des Tübinger Botanischen Gartens bildeten.
Vom Nonnenhaus schlendere ich über die Lange Gasse, in der unter dem „Alten Schlachthaus“ malerisch der Ammerkanal hindurchfließt, zum Fruchtkasten. Hier wurden über Jahrhunderte Korn gelagert und Wein gepresst. Das heutige Bürgeramt ist eines der ältesten und schönsten Fachwerkbauten der Stadt.
Auf meinem Weg durch das Viertel der Tübinger Gôgen komme ich an der Jakobuskirche vorbei. Sie ist die älteste erhaltene Kirche Tübingens und steht mitten im ehemaligen Handwerkerviertel. Nirgendwo in der Stadt finden sich noch so traditionelle Handwerksbetriebe wie rund um die Jakobuskirche.
Fun Fact: In der einstigen armen „Unterstadt“ lebten in der sogenannten „Gôgei”, lange Zeit die Weinbauern und Handwerker. Gôg ist die mundartlich-schwäbische Bezeichnung für einen Weingärtner aus der Tübinger Unterstadt. Der Ausdruck Gôg wurde vor allem durch die Gôgen-Witze über die Stadtgrenze hinaus bekannt.




Ich erreiche die Ammergasse mit ihren Brücken und Geländern über den Ammerkanal. Früher war es die Gasse der Gerber. Heute besitzt sie ganz viel Flair und versprüht mit ihren vielen kleinen Geschäften und dem bunten Einkaufsangebot einen ganz besonderen Charme.
Am Ende der Ammergasse ist die Krumme Brücke. Sie markiert die Grenze zwischen Ober- und Unterstadt und führt über den Ammerkanal mit der „Wette“, einem kleinen Teich, der früher als Viehtränke benutzt wurde.
Von der Unterstadt in die Oberstadt
Vom Stadtmuseum im historischen Kornhaus geht es hinauf in die Tübinger Oberstadt zum Marktplatz, der neben der Neckarfront wohl das begehrteste Fotomotiv in Tübingen ist.
Es ist Wochenmarkt und so schlendere ich zwischen bunten Marktständen und gemütlichen Straßencafés über den belebten Platz und bestaune das Rathaus mit der beeindruckenden Fassadengestaltung und der kunstvollen astronomischen Uhr, den Renaissance-Brunnen mit Neptun und Dreizack und die schönen Fachwerkhäuser die ein sehenswertes Ensemble rund um den Marktplatz bilden.


Hinter dem Marktplatz führt die Burgsteige, mit dem Wohnhaus des Astronomen Michael Mästlin – Lehrer von Johannes Kepler, hinauf zum Schloss Hohentübingen.
Das Schloss, das mit seiner Vierflügelanlage um den Innenhof eher wie eine Burg aussieht, beherbergt die Universität Tübingen mit dem Institut der Klassischen Archäologie und ihrem Museum Alte Kulturen.
Von der Bastion des Schlosses mit der kleinen Sternwarte habe ich eine malerische Aussicht auf die Tübinger Altstadt, den Neckar und die umliegende Landschaft.
Fun Fact: Im Schlosskeller befindet sich das wohl älteste erhaltene Riesenweinfass der Welt mit einem Fassungsvermögen von 84.000 Litern, das als das größte je mit Wein befüllte Weinfass gilt. Besichtigt werden kann es nur in den Wintermonaten.



Schwäbische Spezialitäten mit einem Schuss Bier
Auf dem Rückweg zur Eberhardsbrücke komme ich am Hölderlinturm vorbei. In einem der Zimmer des Turms lebte einst der Dichter Friedrich Hölderlin. Heute befindet sich darin ein Museum mit einer multimedialen Dauerausstellung, die Einblicke in Hölderlins biografische Stationen in Tübingen gibt.
Vom Hölderlinturm laufe ich über den alten Stadtgraben zurück zur Eberhardsbrücke an dessen Ufer sich die Gasthausbrauerei Neckarmüller befindet.

Ich suche mir einen freien Platz auf der gut besuchten Sonnenterrasse und werfe einen Blick in die Speisekarte. Darin finde ich eine Vielzahl schwäbischer Spezialitäten, die auch schon mal mit einem Schuss Bier gewürzt sind und viele vegetarische Gerichte. Ich entscheide mich für den Brauereibraten an einer Weissbier-Bratensoße mit hausgemachten Spätzle und trinke dazu natürlich ein Neckarmüller Weissbier!
Nach dem herzhaften Essen laufe ich zurück zum Bahnhof und fahre mit der Regionalbahn nach Tübingen-Unterjesingen. Denn in dem kleinen vom Wein geprägten Ort gibt es einen Früchtetrauf Premium-Spazierwanderweg, ein Keltermuseum und eine Besenwirtschaft die geöffnet hat!



Der Premiumwanderweg „Unterjesinger Wengertwegle“
Tourdaten:
Dauer: 2 Stunden
Länge: 6 Kilometer
Tourenart: Rundtour
Wegmarkierungen: grüne Wegweiser mit einem roten Apfel
Nach nur knapp 10 Minuten Fahrtzeit mit der Regiobahn von Tübingen nach Unterjesingen laufe ich auf einem ausgeschilderten Zuweg vom Bahnhof zum Wanderparkplatz am Friedhof. Hier startet der Premium-Spazierwanderweg „Unterjesinger Wengertwegle“.
Vom Friedhof führt der Weg an Obstbäumen und Weinbergen vorbei hinauf zum Aussichtspunkt Bayler Kap. Hier habe ich einen herrlichen Blick über die Unterjesinger Weinberge hinweg ins Ammer- und Neckartal. In der Ferne kann ich die Wurmlinger Kapelle, die Schwäbische Alb und die Burg Hohenzollern erkennen.
Auf einem schmalen Waldweg komme ich zum Aussichtspunkt Obere Gôgenhalde. Hier steht eine gemütliche Wellenbank die zu einem kurzen Päuschen einlädt. Ich mache es mir auf der Bank bequem und lasse meinen Blick über das Ammertal und den Wurmlinger Kapellenberg bis zur Schwäbischen Alb schweifen.



Anschließend folge ich einem schmalen Waldweg hinab ins traumhaft schöne Himbachtal. Ich umrunde den Taleinschnitt auf einem herrlichen Wiesenweg, der dann als Feldweg weitergeht und durch den Wald auf die Hochfläche am Schönbuchtrauf zurückführt.
Nachdem ich ein kurzes Stück über die Hochfläche gewandert bin, geht es wieder bergab und ich mache einen kleinen Abstecher zum Aussichtspunkt Wägner Kap.
Der Weg hinunter nach Unterjesingen führt durch die steilen Weinberge mit ihren Trockenmauern und den hübschen „Wengerthäusle“ und ich freue mich bereits auf den Abend in der Besenwirtschaft.



Zeitreise durchs Unterjesinger Keltermuseum
Vom Wanderparkplatz am Friedhof laufe ich die Straße hinunter zum Keltermuseum, das sich neben der spätgotischen Kirche St. Barbara befindet. Das Keltermuseum besteht aus der alten Weinkelter von 1784, einem Bauernhaus aus dem Jahr 1609 und einer vollständig erhaltenen Wagner-Werkstatt.
Hier bin ich mit Heinz Giringer, dem 1. Vorsitzenden des Obst- und Weinbauvereins Unterjessingen, verabredet, der mich gleich mit in die alte Weinkelter nimmt.
Hier beginnt unsere gemeinsame Zeitreise und ich erfahre von Heinz Giringer nicht nur interessantes über die alte Baumkelter, Spindelpressen, Tretzuber und Traubenmühlen, ich darf auch selbst bei der einen und anderen Traubenmühle einmal Hand anlegen um die Funktionalität besser verstehen zu können. Das macht richtig Spaß!


Neben der Sammlung von Gerätschaften und Objekten aus dem Weinbau kann man im Keltermuseum auch eine große Sackausstellung und eine umfangreiche Sammlung von Gerätschaften und Objekten aus dem Hopfenanbau, der Land- und der Hauswirtschaft bestaunen. Dazu begeben wir uns auf den großen Dachboden und Heinz Giringer zeigt und erklärt mir die landwirtschaftlichen Geräte vor der Zeit der Traktoren, sowie wichtige Werkszeuge eines Küfers und Sattlers. Und auch hier darf ich wieder bei einigen Geräten selbst Hand anlegen und sie ausprobieren!
Dann gehen wir hinüber ins benachbarte Bauernhaus, das ab 1609 erbaut wurde. Es bot einst Platz für zwei Familien und wurde von der Familie Zeeb bewohnt, daher der Name Zeeb-Haus. Im Untergeschoss befinden sich verschiedene Wirtschaftsräume, eine Stube mit Kammer, die Küche mit einem originalen Holzbackofen und ein Plumpsklo.



Über eine schmale Treppe steigen wir in den Gewölbekeller. Dort sind neben Wein- und Mostfässern auch Behälter für die Vorratshaltung in früherer Zeit zu sehen.
Hier endet unsere Zeitreise und wir beschließen unsere interessante Unterhaltung über Wein und Weinbau in der Besenwirtschaft Maichle fortzusetzen. Doch zuvor darf ich noch einen Unterjesinger Cuvèe K den Heinz Giringer selbst kreiert hat in einem der Wirtschaftsräume mit ihm und seiner Frau probieren.

Ein wunderschöner Abend in der Besenwirtschaft Maichle
In der Besenwirtschaft Maichle, die auf dem Festgelände beim Sportplatz stattfindet, sitzen bereits mehrere hundert Besucher in der Festhalle und an den Tischen und Bänken vor der Halle gesellig beisammen.
Wir finden einen freien Platz in der Halle und bestellen eine Flasche Muskat-Trollinger Rosé und dazu Maultäschle mit Kartoffelsalat. Schnell kommen wir mit den anderen Gästen am Tisch ins Gespräch und kurz darauf gesellt sich auch Winzer Alexander Maichle zu uns.
Fun Fact: Die vom Weinbau geprägten Ortschaften Tübingen-Unterjesingen, Ammerbuch und Rottenburg sind als Weinsüden-Weinorte ausgezeichnet. Die „Weinsüden Weinorte" sind Baden-Württembergs Aushängeschilder für einen starken Weinbezug, eine lange Weinbaukultur und eine vorbildliche traditionelle Verbindung zum Weinbau.

Nachdem ich von meinem Stadtrundgang durch das Viertel der Gôgen in Tübingen erzählt habe, wechselt unser Gesprächsthema vom Weinbau und der anstehenden Weinlese schnell zum Thema Gôgen-Witze. Und wie das in einer geselligen Runde so ist, wenn einmal einer anfängt….
Bevor ich mich verabschiede muss ich unbedingt noch einen Flachswickel probieren. Denn diese Hefeteig-Rollen, die zu einer Öse geformt und mit Hagelzucker bestreut sind, gehören zu den schwäbischen Spezialitäten die mit Begeisterung zum Frühstück, am Nachmittag zum Kaffee und natürlich Abends zu einem Glas Wein verzehrt werden.

Danach geht es für mich mit der Regiobahn zurück nach Rottenburg ins Hotel Württenberger Hof, wo ich in meinem „Turmstübchen“ bestimmt sehr angenehm schlafen und von Maultäschle, Gôgen und Flachswickel träumen werde.

