Veitshöchheim vs. Würzburg

Veitshöchheim

Nachdem es die letzten Tag unaufhörlich geregnet hatte, kam heute morgen endlich wieder die Sonne raus. Ich fuhr mit meinem Auto runter an den Main und parkte vor den Mainfrankensälen. Von dort schlenderte an einem kleinen Steg vorbei, an dem zwei Kinder die Enten mit Brotkrümeln fütterten. Es waren nur wenige Touristen zu sehen und als ich am Meegärtle vorbei kam und den Main, die Promenade und den Biergarten sah, begann ich gedanklich Vergleiche mit Würzburg zu ziehen.

Veitshöchheim

Das Mainufer in Würzburg ist lebendig. Hier treffen sich Studierende um auf dem Grünstreifen am Ufer die Sonne zu genießen, Touristen die mit ihren Fotoapparaten versuchen den romantischen Flair der Stadt einzufangen und Berufstätige, Radfahrer und Senioren für die es einfach nur der ruhigere Weg in und aus der Stadt hinaus ist. Und in Veitshöchheim?

Hier trifft man im Rhythmus der anlegenden Fahrgastschiffe Besucher aus aller Welt, Ortsansässige jeden Alters die nach Feierabend an der Uferpromenade spazieren gehen und Radfahrer die sich auf ein erfrischendes Radler oder ein paar Fränkische Bratwürste im Biergarten freuen.

Biergarten

Apropos Biergarten. Wer die Atmosphäre eines traditionellen Biergartens zu schätzen weiß, wird sich im Meegärtle wohl fühlen. Das Würzburger Pendant hierzu wäre für mich der Biergarten an der Alten Mainbrücke. Idyllisch am Wasser gelegen bietet er ebenfalls die Möglichkeit nach einer zünftigen Brotzeit und einem süffigen, dort selbst gebrauten Bier, am Mainufer entlang zu schlendern. Und im vergangenen Jahr konnte man dort ebenfalls Skulpturen der Würzburger Kunst- und Künstlerszene bewundern.

Spielplatz

Auf Höhe des Abenteuerspielplatzes, der den gesamten Sommer über von unzähligen Familien besucht wird um sich gemeinsam mit dem eigenen Nachwuchs spielerisch auszutoben, befindet sich eine Minigolf-Anlage.

Obwohl mir dieser Freizeitsport mächtig Spaß macht und ich mich beim Versuch den Ball im Rahmen der vorgegebenen Anzahl an Schlägen ins Ziel zu bekommen, gar nicht mal so ungeschickt anstelle, liegt es schon wieder ein paar Jahre zurück dass ich das letzte Mal mit Freunden eine Runde gespielt habe. Ich schrieb mir eine Notiz in mein iPhone um einmal nachzufragen ob sich bei meinen Freunden und Bekannten ein paar Interessierte finden lassen die mit mir die Plätze in Würzburg und hier in Veitshöchheim mal wieder bespielen wollen.

Ich setzte mich auf eine Parkbank am Kneipp-Becken in der Nähe der Brücke die nach Margetshöchheim führt. Hier saß ich an vielen heißen Sommertagen spätnachmittags mit einem interessanten Buch in der Hand im Schatten der Bäume und kühlte mir hin und wieder die Füße im erfrischenden Nass.

Nach einer kleinen Pause lief ich weiter Richtung Ortsmitte. Dabei dachte ich darüber nach welche Eisdiele es mit dem über die Grenzen Veitshöchheim hinaus bekannten Eis vom Eis-Stephan aufnehmen könnte? Und da fielen mir so einige Eisdielen ein die ebenfalls ein fantastisches Haselnuss-Eis kreieren. Ich gestehe, mein Vergleich reduziert sich auf diese eine Eissorte da ich fast ausschließlich Haselnuss-Eis esse. Aber eines steht ganz klar fest: Preislich ist der Eis-Stephan unschlagbar!

Veitshöchheim

Es gibt viel zu entdecken

Mein kleines Gedankenspiel machte mir immer mehr Spaß und ich verband mit dem Wort Unschlagbar dann auch gleich noch den traumhaft schönen Steinweinpfad an der Würzburger Steinburg. Ein Panoramaweg der durch die Weinlage Würzburger Stein führt.

Startet man in westlicher Richtung hat man auf halbem Weg am Pavillon Moltkeruh einen herrlichen Blick auf eine der wohl berühmtesten Weinlagen Deutschlands. In östlicher Richtung kommt man auf einem etwas längeren Rundweg am Weingut am Stein vorbei das für diese Route ebenfalls als Ausgangspunkt genutzt werden kann.

Sonnenuntergang am Steinweinpfad

Für Veitshöchheim konnte ich die Landesanstalt für Weinbau und Gartenbau dagegen setzen. Hier beschäftigt man sich fachbezogen mit den wichtigen Themen unserer Zeit: Urban Gardening, Biodiversität, Vertikales Gärtnern und viele weitere Themen zu denen es auch viele interessante Veranstaltungen und Seminare gibt. Ich schrieb mir hierzu eine weitere Notiz in mein iPhone.

Und während ich so am eintippen war wurde mir wieder bewusst wie vielfältig das Angebot ist Natur und Kultur für sich neu zu entdecken und wie mannigfaltig die Möglichkeiten sind einfach einmal kurz aus dem Alltag auszubrechen und die passende Aktivität für seine Ich-Zeit zu finden.

Tokio Kirsche
Tokyo-Kirsche im Würzburger Ringpark

Meine Gedanken wanderten wieder zurück nach Würzburg in den Ringpark. Dort gibt es einen Baumlehrpfad bei dem es vom Riesen-Mammutbaum bis zum Japanischen Schnurrbaum viel Exotisches aber auch Baumarten mit heimischen Wurzeln zu entdecken gibt.

Entdecker werden natürlich auch in Veitshöchheim fündig. Auf dem Weg der Jahresbäume oben auf der Siedlungshöhe werden seit über 30 Jahren Bäume zum „Baum des Jahres“ gekürt um auf deren Seltenheit oder auf eine Gefährdung durch Waldschäden oder Baumkrankheiten aufmerksam zu machen.

Würzburger Residenz Hofgarten

Meine Vergleiche mit Würzburg hatten ein natürliches Ungleichgewicht. Also teilte ich die Einwohnerzahl Würzburgs durch die Zahl der Einwohner in Veitshöchheim und erhielt einen Multiplikator der in meinem kleinen Gedankenspiel zu einem fairen Unentschieden führte. Und das bedeutete dass ich mich in der Fair Trade Stadt Würzburg genauso „pudelwohl“ fühle wie in der Fair Trade Gemeinde Veitshöchheim.

Lustwandeln im Rokokogarten

Mit diesem zufriedenstellenden Ergebnis und dem Bedürfnis nach ein wenig „Lustwandeln“ im Rokokogarten machte ich mich auf den Weg dorthin. Ich betrat den Hofgarten durch das Haupttor an der Würzburger Straße und folgte der Baumallee zum Schloß, das einstmals von den Würzburger Bischöfen als Sommerresidenz genutzt wurde, bevor ich nach rechts in den Rokokogarten abbog.

Rokokogarten Veitshöchheim

Ein Spaziergang im Hofgarten ist für Besucher wie mich ein Ort um wieder Kraft und Energie zu tanken und für Kunsthistoriker und Gartenexperten ein Ort voller Überraschungen. In dem streng symmetrisch angelegten Parkt findet man jede Menge Steinskulpturen, ein Grottenhaus, einen kleinen und einen großen See, Wasserspiele, Lauben, Pavillons und natürlich ausreichend Parkbänke um die vielen Eindrücke in Ruhe auf sich wirken zu lassen.

Bevor ich die wenigen Meter zurück zu meinem Auto lief schrieb ich eine letzte Notiz in mein iPhone. Ich hatte einen Hinweis entdeckt auf dem Gruppenführungen im Rokokogarten mit Valerie Kistenberger angeboten werden und das hatte spontan mein Interesse geweckt.

Was für ein wundervoller und erholsamer Nachmittag. Es war so wichtig mir mal wieder eine kleine Auszeit zu gönnen und während ich nach Hause fuhr wusste ich bereits: mein nächstes „Lustwandeln“ findet im Hofgarten an der Residenz statt!