Mach dein Wohnzimmer zur Bühne

„Musik ist eine Droge“ schrieb Andreas Marti im gleichen Jahr in dem ich geboren wurde. Warum also nicht mal wieder etwas riskieren? Einfach mal Stühle und Tische zur Seite schieben und sich eine Band oder einen Musiker/-in nach Hause einladen um bei einem entspannten Wohnzimmerkonzert gemeinsam mit Freunden und Bekannten diese legale Droge konsumieren! Dazu ein bisschen Lebensfreude, eine Portion Gelassenheit und viel gute Laune und schon hat man die Zutaten für den perfekten Me-Time Cocktail.

Ich kenne keine Musiker die ich fragen könnte

Für mich und meine Band Amely Day sind solche kleinen intimen Konzerte die in Wohnzimmern, Partykellern, Wintergärten, Büros, Cafés, Studios, Ateliers oder einem beliebigen anderen Raum stattfinden immer sehr emotionale Erlebnisse. Die Nähe zum Publikum und der persönliche Austausch in den Pausen und nach einem Konzert machen solche Veranstaltungen unvergesslich. Wo aber findet man die passenden Musiker wenn man ein Wohnzimmerkonzert organisieren möchte und vielleicht keine komplette Band sondern nur einen Solokünstler hören möchte?

Die bekannteste Plattform hierfür ist SofaConcerts. Hier bekommt man als Gastgeber den Kontakt zu Künstlern aus allen gängigen Musiksparten vermittelt. Eine weitere Möglichkeit wäre in der Programmliste der Würzburger Festivals vom Umsonst & Draussen, dem Ringparkfest oder dem Stramu nach für euch passenden Künstlern zu suchen und sie dann über ihre Webseite oder ihrem Social-Media Account zu kontaktieren. Ihr seht es ist gar nicht so schwierig eine Band oder einen Solokünstler für sein privates Wohnzimmerkonzert zu finden. Und weil jeder Künstler entsprechende Musikvideos auf YouTube hat ,macht das Suchen und Entdecken auch noch richtig Spaß!

Mein Wohnzimmer ist viel zu klein

Bei der Planung für so ein Wohnzimmerkonzert verhält es sich wie bei der Planung für eine Grillfeier, einer Tuppa- oder einer Thermomix-Homeparty. Ihr überlegt euch wen ihr einladen möchtet und was der- oder diejenige mitbringen könnte damit ihr das Mitgebrachte zu einem leckeren Buffet anrichten könnt. Kleiner Tipp: Wenn ihr nur „Fingerfood“ ordert erspart ihr euch im Anschluss den Abwasch. Statt Tellern legt ihr einfach ein paar Servietten bereit. Aber da muss ich euch wahrscheinlich nicht wirklich etwas dazu erzählen. Natürlich geht das ganze auch eine Nummer kleiner. Wenn ihr lieber nur etwas Knabbergebäck und ein paar Getränke für eure Gäste bereitstellen möchtest, ist das natürlich genauso gut.

Viel interessanter ist die Frage: wieviel Gäste sollte man einladen? Und da mal keine Sorge. Platz ist bekanntlich in der kleinsten Hütte und am schönsten ist es doch wenn man den Künstlern direkt gegenübersitzen und sie quasi „hautnah“ erleben kann. Aus meiner persönlichen Erfahrung machen kleine Konzerte für eine Band ab 20 Gästen richtig Spaß. Bei Solo-Künstlern ist das etwa anderes. Da könnte ich mir sogar vorstellen mit Gitarre und 5 Gästen in einer Küche bei Pizza, Pasta und einem leckeren Wein zu musizieren.

Äußerst sinnvoll ist es, eure Gäste zu bitten sich eine Sitzgelegenheit von zu Hause mitzubringen, da die wenigsten Gastgeber wahrscheinlich ausreichend Sitzplätze zur Verfügung haben (Stühle, Sessel, Sofas, Kissen. Oder ihr fragt eure Nachbarn, die ihr idealerweise auch eingeladen habt, euch für die Dauer des Wohnzimmerkonzertes welche zu leihen. Wenn ihr am Abend des Konzerts dann euren Wohnzimmertisch oder Ähnliches ins z.B. Schlafzimmer verbannt habt, steht einem gemütlichen Konzertabend nichts mehr im Wege.

Amely Day nach einem Überraschungskonzert in Ingos Wohnzimmer

Eine Erfahrung die ihr bestimmt auch schon bei euren bisherigen Feiern gemacht habt ist das Phänomen, dass einige Gäste kurzfristig absagen oder einfach nicht erscheinen. Das ist besonders ärgerlich wenn man sich selbst um Snacks und Getränke gekümmert hat. Um das zu vermeiden empfiehlt es sich so viele Freunde und Bekannte wie möglich einzuladen damit ihr mindestens 25 feste Zusagen habt, denn es könnte passieren dass Bands ihr Konzert bei weniger als 20 Gästen absagen.

Wie teuer ist ein Wohnzimmerkonzert?

Da jedes Konzert anders ist haben Musiker und Bands für Gastgeber teils verbindliche und teils flexible Gagen-Sätze die je nach Raumgröße und Anzahl der Gäste persönlich besprochen werden. Wir bei Amely Day handhaben es so: die Gage zahlen die Gäste, und das freiwillig! In der Pause geht ein Hut rum und wer mag darf Wenig oder Viel dort rein werfen. Unser Publikum wusste die Arbeit die wir in unsere Musik investieren bisher immer zu schätzen und so lagen die durchschnittlichen Spendenbeträge bei uns zwischen 10 und 20 €.

„Musik hören ist ein Genuss. Musik machen eine Gnade“

Gudrun Kropp

Vor ein paar Wochen bekam ich dann zum ersten Mal selbst eine Einladung zu einem Wohnzimmerkonzert. Eine befreundete Sängerin gab gemeinsam mit einem mir ebenfalls gut bekannten Gitarristen ein Konzert für Freunde und Bekannte in ihrem Wohnzimmer. Mit zwei Flaschen Rotwein in meinem Rucksack klingelte ich an der Tür. Ich war ein wenig zu früh und so durfte ich gleich beim lockeren Verteilen der Sitzkissen links und rechts der Stuhlreihen helfen während die beiden Musiker ihren Soundcheck beendeten.

Eine halbe Stunde später war der kleine Raum mit mehr als 30 Gästen gut gefüllt und das Konzert konnte beginnen. Das erste das mir auffiel war die Aufmerksamkeit der Zuhörer. Anders als bei Konzerten die ich bisher besuchte gab es keine desinteressierten Unterhaltungsgrüppchen die irgendwo am Rande zusammenstanden. Das Publikum bestand aus Menschen mit überwiegend akademischen und esoterischen Background die entspannt auf ihren Plätzen saßen und genüßlich den wundervollen Interpretationen alter Klassiker lauschten. Ich selbst geriet bei Bill Withers „Ain’t no sunshine“ in innere Extase als der Refrain mit „Riders on the storm“ von der Doors fortgesetzt wurde und das so harmonisch ineinandergreifend als wären die beiden Songs einer. Das gemeinsame Musik genießen im Kreise Gleichgesinnter fühlte sich in diesem Moment wie Seele streicheln an.

In der Pause erfuhr ich von den beiden Musikern dass sie ihr Wohnzimmerkonzert diesmal gar nicht beworben haben da die positiven Rückmeldungen aus dem Kreis der Freunde und Bekannten so groß war dass die maximal mögliche Gästezahl bereits erreicht wurde. Das leckere Fingerfood das es zu probieren galt wurde komplett von der Gastgeberin selbst zubereitet. Lediglich Getränke wurden von einigen Gästen mitgebracht. Und so war es dann auch nicht verwunderlich dass im Hut, der während der Pause rumging, kein Geldschein kleiner als 20 € war. Das Konzert begann um 19.30 Uhr und war um 22.00 Uhr zu Ende. Doch nach Hause wollte noch lange niemand. Der Abend gab mir neben wunderschöner Musik und angenehmen Gesprächen ein angenehmes Wohlfühlgefühl mit auf den Weg das für viele Tage zu einer inneren Enschleunigung beitrug. Ich würde mir für Würzburg noch viel mehr Wohnzimmerkonzerte dieser Art wünschen!