Schreib doch mal ein Weihnachtslied

Kreativität schlummert in so vielen Menschen. Sie ruht in uns, abgeschirmt durch Beruf, Familie, den Alltagsverpflichtungen und wartet nur darauf endlich freigesetzt zu werden. Ich begann vor ein paar Jahren, als ich wieder eine Wahrnehmung für meine eigenen Wünsche entwickelt hatte mit dem Schreiben und dem komponieren von Liedern. Dabei lernte ich viele interessante und inspirierende Menschen kennen. Einer davon ist Rudi, der in meiner Band Amely Day das Cajon spielt und mir per WhatsApp schrieb: Wie wäre es wenn du dich weihnachtlich inspirieren lässt und ein Weihnachtslied schreibst?

Kreativ, aber noch nichts eigenes

Ich nahm meine Gitarre und fing an fröhliche Rhythmen zu bekannten Akkordfolgen zu spielen. Dabei entstand eine Reggae-Version von „Stille Nacht“ kombiniert mit dem bekannten Mitsing-Jodler: Hieyoo, hieyee, hieyeeo! von Sting in bester Police-Manier. Das war zwar kreativ, aber noch nichts eigenes. Klar für mich war nur, es würde ein fröhliches und kein andächtiges Weihnachtslied werden. Und während ich spürte in welche Richtung das gehen sollte, entstand auf einmal eine Melodie auf die ich ein simples Da da da sang. Ich spielte, sang und wippte dabei mit der Gitarre auf meinem Sofa herum und dann sprudelte die erste Strophe aus mir heraus:

Kommst du nach Haus, kriecht in deine Nase
ein besonderer Duft, du weißt nicht was es ist.
Dann fällt’s dir wieder ein und du kannst es nicht glauben,
kann es wirklich sein, schon wieder Weihnachtszeit.

In meinen Kreativ-Phase, wenn die ersten Ideen ungefiltert aus mir herausfließen, darf ich nicht über das geschriebene nachdenken. Der kreative Flow ginge verloren und ich würde mich an bereits Bekanntem orientieren und mir Gedanken darüber machen was man schreiben darf und was nicht, was schön ist, oder wem etwas gefallen könnte oder nicht. Also spielte ich weiter, sang immer wieder die Strophe und irgendwann fiel ich in totaler Ausgelassenheit wie von selbst in den Refrain:

Ho ho ho – komm lass uns Lieder singen
Ho ho ho – denn wir woll’n fröhlich sein.
Ho ho ho – lass uns `nen Toast ausbringen
Ho ho ho – auf die schöne Weihnachtszeit!

Ich spielte und sang die Strophe und den Refrain in Dauerschleife. Ständig bemüht eine zweite Strophe zu finden. Aber nichts passierte mehr. Ich machte mir etwas zu essen, suchte in der Arte-Mediathek nach einer neuen Folge „Mit offenen Karten“ und spielte nach dem Essen weiter Gitarre während auf dem Laptop ein Beitrag über Die Globalisierung auf unseren Tellern lief. Wieder sang ich den Refrain und dann hatte ich den Einsteiger in die zweite Strophe. Zwei, drei kleinere Korrekturen und dann war sie fertig:

Du sitzt auf dem Klo und du fragst dich verwundert,
was soll das Geflüster und die Tuschelei.
Überall Gekicher und dann hörst du es knistern,
man packt doch nicht etwa schon Geschenke ein.

Ich fand das Urkomisch! Mit bester Laune entstand nach erneutem durchsingen auch die dritte Strophe:

Draußen im Wald, bist du ganz alleine
das bildest du dir ein, denn im Mondenschein
stehst du mit deiner Axt und ein erster Hieb,
dann hörst du es schrei`n es könnt’ der Nachbar sein.

Ho ho ho, …. ich spielte, sang und feierte mich selbst für meinen Weihnachtssong!

Eine Woche später fuhr ich zur Bandprobe und konnte es gar nicht erwarten den Jungs den Song vorzuspielen. Ich montierte meinen AER Akustik-Amp auf sein Stativ, schloß meine Martin Gitarre an und sang ihnen meinen Weihnachtssong vor.

„Na, was haltet ihr davon?“ … ich blickte in schweigende Gesichter.
Damit hatte ich nicht gerechnet.
„Klingt ein bisschen nach Irischer Musik“ war der erste Kommentar.
„Vielleicht könntest du noch eine weitere Strophe schreiben damit das Lied versöhnlicher endet.“
„OK… dann setz ich mich nochmal dran.“
„Das mit dem Klo find ich auch nicht so gut“
„OK. Hab ich auch schon überlegt. Aber ich dachte mir, ich lass das mal.“
Auch ganz schön blutig, das mit dem Nachbarn. Nicht unbedingt was für Kinder.“
„Das findet jetzt aber nur in deiner Fantasie so statt….aber OK, ich werd noch eine versöhnliche Strophe ergänzen und ein paar Korrekturen vornehmen.“

Es hat dann nochmal zwei Wochen und viele kreative Anläufe gebraucht bis mein Weihnachtslied seine versöhnliche Strophe und einen familienfreundlichen Text hatte. Aber es hat sich gelohnt. Ich finde meine erste Auftragsarbeit ist sehr unterhaltsam und fröhlich geworden, auch wenn Rudi lieber ein besinnliches Weihnachtslied gehabt hätte. Ihr könnt es euch gerne auf meinem Facebook-Account anhören.

FAZit

Kreativität schlummert in so vielen Menschen und ich weiß dass ich mich wiederhole wenn das schreibe. Ich höre es aber immer wieder von Menschen die ihre eigenen Ideen beim Malen und Gestalten verwirklichen, die mir mit Begeisterung von selbstentworfenen Gegenständen erzählen die sie getöpfert, geschnitzt oder gemeißelt haben, Menschen die sich getraut haben ein Regal nach eigenen Vorstellungen zu bauen oder ihre Kleidung selbst designen … sie alle haben eine wundervoll ausgewogene Work-Life-Balance, einen gesunden Schlaf und ich lerne ständig und gerne von ihnen…