Reise in die Vergangenheit

Vor ein paar Jahren hatte mein Vater den Wunsch geäußert, er würde sehr gerne einmal wieder nach Forchheim zum Karpfen essen fahren. Also in die Stadt in der ich geboren wurde und in der ich die ersten 14 Jahre meines Lebens verbrachte. Ein Wunsch den ich sehr gerne erfüllen wollte, denn ich sah darin die Möglichkeit bei diesem Ausflug vieles über meine Eltern und ihrer gemeinsamen Zeit vor meiner Geburt zu erfahren. Damit hätte ich die große Chance sie besser kennen und verstehen zu lernen.

Die Reise beginnt

Meine Eltern sind wie immer mega pünktlich. Also eigentlich viel zu früh, aber daran habe ich mich gewöhnt und wir können sofort los. Die Fahrt geht über die A3 an Geiselwind vorbei weiter Richtung Nürnberg. Meine Mutter erzählt von unseren Familienausflügen die wir früher nach Geiselwind in den Freizeitpark unternommen haben und die kleinen Zwischenfälle und Malheure die solche Ausflüge für immer einen Platz in der Familenchronik sicherten.

Bei Höchstadt Ost verlassen wir die Autobahn und als wir kurz vor Forchheim ein Werbeplakat für den Erlebnispark Schloß Thurn sehen, der ganz in der Nähe ist, erzähle ich meinen Eltern wie ich früher mit meinen Freunden auf unseren Bonanza-Rädern dort hingeradelt bin und wir uns heimlich bei den Dinosauriern durch ein Loch im Zaun reingeschlichen haben. Ich bin mir sicher, dieses Geständnis hätte früher nicht zu einem Lächeln auf ihren Gesichtern geführt.

Da freu ich mich schon das ganze Jahr darauf!

Den Weg nach Weigelshofen zum Brauereigasthof Pfister finde ich mittlerweile auch ohne mein Navi. Es ist bereits unser dritter Besuch dort und auf der Fahrt durch Forchheim tönt mein Vater „Da freu ich mich schon das ganze Jahr darauf“ und grinst dabei wie ein Honigkuchenpferd. Und das zurecht. In Zeiten in denen panierte Gerichte meist aus der Fritteuse kommen und vor Fett nur so triefen, wird bei Pfister’s der Karpfen und das von mir heiß geliebte Karpfenfilet nur leicht paniert und in der Pfanne mit Butter gebraten. Dass der Kartoffelsalat hausgemacht und die Salate aus der Region stammen ist ein weiterer kulinarischer Pluspunkt. Und für alle leidenschaftlichen Biertrinker sei noch erwähnt dass mein alkoholfreies „Rauschfrei“ Öko-Landbier aus der hauseigenen Brauerei stammt!

Zwei die sich mögen: der Karpfen und das Weißbier!

Nach diesem wunderbaren Essen fahren wir nach Forchheim, besuchen unsere verstorbenen Verwandten auf dem Friedhof und laufen durch den Stadtpark, der von der Alten Stadtmauer umgeben ist, Richtung Innenstadt.

Das ist mein Forchheim

Der Hauptstraße folgend kommen wir an der Brauerei Eichhorn, einer historischen Braustätte die seit über 200 Jahren besteht vorbei und das gibt meinem Vater die Gelegenheit wieder seine alten Stammtisch-Geschichten zu erzählen. Vor dem Rathaus bleiben wir kurz stehen und betrachten die alten und noch sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Fachwerkhäuser. Das ist mein Forchheim wie ich es aus meinen Kindertagen in Erinnerung habe. Auch die Bäckerei Nagel gibt es noch. Hier bekommt man Urrädla und Küchla und ein Holzgassenbrot nach Urgroßvaters Rezept.

Den kleinen Umweg Richtung Kaiserpfalz schenken wir uns weil wir zur Metzgerei Schweizer & Reif wollen um wieder Fränkische Bratwürste mitzunehmen und im gegenüberliegenden Geschenkeladen Mauerscheisser ein paar fränkische Produkte aus der Region zu kaufen. Leider hat Forchheim am Samstag andere Öffnungszeiten als ich sie aus Würzburg gewohnt bin und so stehen wir kurz nach 14 Uhr vor verschlossenen Türen. Auch die beiden Cafe’s die ich gegoogelt habe haben bereits geschlossen und so beschließen wir den Tag in Würzburg ausklingen zu lassen und laufen zurück zu meinem Auto.

In weniger als einer Stunde sind wir wieder in Würzburg und fahren in der Frankfurter Straße auf das Gelände der Bürgerbräu. Meine Eltern wollen nicht mehr in die Innenstadt und so habe ich das Cafe glück UND GUT vorgeschlagen. Hier kann man direkt vor dem Eingang parken und ich komme sowieso sehr gerne vor einem Kinobesuch im Central Kino hierher um etwas zu trinken oder eine Kleinigkeit zu essen.

Genussmomente

Mein Vater steht etwas skeptisch an der Kuchenvitrine und kann sich nicht entscheiden. Es fehlen ihm die Klassiker wie Käsekuchen oder Schwarzwälder Kirsch. Dafür werden eine Zitronentarte, ein Apfel- und Kirsch-Crumble und ein veganer Schoko-Kirsch Kuchen angeboten. Meine Mutter interessiert sich derweil für die Cookies die in einem Vorratsglas auf der Theke stehen. Die freundliche und sehr sympathische Thekenkraft versucht meiner Mutter gerade zu erklären woraus sich die Dinkel-Schoko Cookies zusammensetzen als ich ihr ins Wort falle um zu erklären, dass es sich hier um Haschkekse handelt. Und die Reaktion meiner Mutter „Ja, da hätte ich dann gerne einen“.
Wir lachen und mein Vater entwickelt plötzlich auch spontane Risikobereitschaft und entscheidet sich für den veganen Schoko-Kirsch Kuchen. Wir setzen uns an einen der kleinen Tischchen und albern rum als hätten die Kekse tatsächlich eine bewusstseinserweiternde Wirkung. So vergeht ein wundervoller Feelgood-Day voller schöner Glücksmomente und ich weiß dass ich mir keine Gedanken machen muss was ich ihnen zum nächsten Geburtstag oder zu Weihnachten schenken könnte.

Nach dem „Haschkeks“ ein Selfie mit meinen Eltern

Vielleicht bedarf es eines gewissen Alters um zu verstehen wie wichtig Zufriedenheit und Lebensfreude für uns sind. Vielleicht aber bedarf es manchmal nur eines kleinen Anstoßes…