Reise in die Vergangenheit

Karpfen essen

Heute bin ich mit meinen Eltern verabredet. Wir wollen nach Forchheim fahren und unserer „alten Heimat“ einen Besuch abstatten. Obwohl wir bereits seit fast 40 Jahren im schönen Unterfranken, mit seinen leckeren Weinen und Heckerplatten leben, gibt es ein paar typische Spezialitäten die wir vermissen. Eine davon sind die leckeren Karpfen die es aber nur in den Monaten gibt die ein „R“ im Namen tragen.

Meine Eltern sind wie immer mega pünktlich. Also eigentlich viel zu früh, aber daran habe ich mich gewöhnt und wir können sofort losfahren. Die Fahrt geht über die A3 an Geiselwind vorbei weiter Richtung Nürnberg. Meine Mutter erzählt von unseren Familienausflügen die wir, als meine Schwestern und ich noch klein waren, nach Geiselwind in den Freizeitpark unternommen haben. Und natürlich von den kleinen Zwischenfällen und Malheure die solchen Ausflügen für immer einen Platz in der Familenchronik sicherten.

Freizeitland Geiselwind
Freizeitpark Geiselwind

Bei Höchstadt Ost verlassen wir die Autobahn und als wir kurz vor Forchheim ein Werbeplakat für den Erlebnispark Schloß Thurn sehen, der ganz in der Nähe ist, erzähle ich meinen Eltern wie meine Freunde und ich früher auf unseren Bonanza-Rädern dort hingeradelt sind und wir uns heimlich, durch ein Loch im Zaun, bei den Dinosauriern reingeschlichen haben. Ich bin mir sicher, dass dieses Geständnis früher nicht zu einem Lächeln auf ihren Gesichtern geführt hätte.

Da freu ich mich schon das ganze Jahr drauf

Den Weg nach Weigelshofen zum Brauereigasthof Pfister finde ich mittlerweile auch ohne mein Navi. Es ist bereits unser dritter Besuch dort und auf der Fahrt durch Forchheim tönt mein Vater „Da freu ich mich schon das ganze Jahr darauf“ und grinst dabei wie ein Honigkuchenpferd.

Zwei die sich mögen: der Karpfen und das Weißbier!

Und das zurecht. In Zeiten in denen panierte Gerichte meist aus der Fritteuse kommen und vor Fett nur so triefen, wird bei Pfister’s der Karpfen und das von mir heiß geliebte Karpfenfilet nur leicht paniert und in der Pfanne mit Butter gebraten. Dass der Kartoffelsalat hausgemacht und die Salate aus der Region stammen ist ein weiterer kulinarischer Pluspunkt. Und für alle leidenschaftlichen Biertrinker sei noch erwähnt, dass mein alkoholfreies „Rauschfrei“ Öko-Landbier aus der hauseigenen Brauerei stammt!

Forchheimer Stadtpark

Nach diesem wunderbaren Essen fahren wir nach Forchheim, besuchen unsere verstorbenen Verwandten auf dem Friedhof und laufen durch den Stadtpark, der von der Alten Stadtmauer umgeben ist, Richtung Innenstadt.

Das ist mein Forchheim

Der Hauptstraße folgend kommen wir an der Brauerei Eichhorn, einer historischen Braustätte die seit über 200 Jahren besteht vorbei und das gibt meinem Vater die Gelegenheit wieder seine alten Stammtisch-Geschichten zu erzählen.

Vor dem Rathaus bleiben wir kurz stehen und betrachten die alten und noch sehr gut erhaltenen mittelalterlichen Fachwerkhäuser. Das ist mein Forchheim wie ich es aus meinen Kindertagen in Erinnerung habe. Auch die Bäckerei Nagel gibt es noch. Hier bekommt man Urrädla und Küchla und ein Holzgassenbrot nach Urgroßvaters Rezept.

Brauerei Eichhorn

Den kleinen Umweg Richtung Kaiserpfalz schenken wir uns weil wir zur Metzgerei Schweizer & Reif wollen um wieder Fränkische Bratwürste mitzunehmen und im gegenüberliegenden Geschenkeladen Mauerscheisser ein paar fränkische Produkte aus der Region zu kaufen.

Leider hat Forchheim an einem Samstag andere Öffnungszeiten als ich sie aus Würzburg gewohnt bin und so stehen wir kurz nach 14 Uhr vor verschlossenen Türen. Auch die beiden Cafe’s die ich gegoogelt hatte, haben bereits geschlossen. Wir beschließen den Tag in Würzburg ausklingen zu lassen und laufen zurück zu meinem Auto.

In weniger als einer Stunde sind wir wieder in Würzburg und fahren in der Frankfurter Straße auf das Gelände der Bürgerbräu. Meine Eltern wollen nicht mehr in die Innenstadt und so habe ich das Cafe glück UND GUT vorgeschlagen. Hier kann man direkt vor dem Eingang parken und ich komme sowieso sehr gerne vor einem Kinobesuch im Central Kino hierher um etwas zu trinken oder eine Kleinigkeit zu essen.

Genussmomente

Mein Vater steht etwas skeptisch an der Kuchenvitrine und kann sich nicht entscheiden. Es fehlen ihm die Klassiker wie Käsekuchen oder Schwarzwälder Kirsch. Dafür werden eine Zitronentarte, ein Apfel- und Kirsch-Crumble und ein veganer Schoko-Kirsch Kuchen angeboten.

Meine Mutter interessiert sich derweil für die Cookies die in einem Vorratsglas auf der Theke stehen. Die freundliche und sehr sympathische Thekenkraft versucht meiner Mutter gerade zu erklären woraus sich die Dinkel-Schoko Cookies zusammensetzen als ich ihr ins Wort falle um zu erklären, dass es sich hier um Haschkekse handelt. Und die Reaktion meiner Mutter „Ja, da hätte ich dann gerne einen“.

Nach dem „Haschkeks“ ein Selfie mit meinen Eltern

Wir lachen und mein Vater entwickelt plötzlich auch spontane Risikobereitschaft und entscheidet sich für den veganen Schoko-Kirsch Kuchen. Wir setzen uns an einen der kleinen Tischchen und albern rum als hätten die Kekse tatsächlich eine bewusstseinserweiternde Wirkung.

So vergeht ein wundervoller Feelgood-Day voller schöner Glücksmomente und ich weiß, dass ich mir keine Gedanken machen muss was ich ihnen zum nächsten Geburtstag oder zu Weihnachten schenken könnte.

Vielleicht bedarf es eines gewissen Alters um zu verstehen wie wichtig Zufriedenheit und Lebensfreude für uns sind. Vielleicht aber bedarf es manchmal nur eines kleinen Anstoßes…