Schneebilder in meinem Kopf

Manchmal höre ich einen Begriff wie „Klimawandel-Leugner“ und versuche zu Verstehen warum Menschen diese für mich spürbaren Veränderungen in der Natur nicht wahrnehmen können oder wollen. Ich bin kein Klimaaktivist und auch kein politisch besonders aktiver Mensch. Ich habe meine persönliche Wahrnehmung und hinterfrage vorgebrachte Argumente um mir eine eigene Meinung zu bilden. Und gerade beim Thema Klimawandel zeigen mir die Landschaftsbilder in meinen Fotoalben dass es in Würzburg und an den Orten die ich in den letzten Jahren bereist habe deutlich wärmer geworden ist und es im Winter weniger Schneetage gibt.

Energie tanken in der Rhön

Vor zwei Jahren rief mich Mitte Januar ein Bekannter an und fragte mich ob ich am Wochenende einen Tag mit ihm in die Rhön fahren möchte. Er hätte Lust auf Skifahren und die vorausgesagten Schnee- und Wetterverhältnisse wären ideal. Ich sagte unter der Voraussetzung zu nicht mit Skifahren zu müssen, sondern den Tag für eine kleine Schneewanderung nutzen zu können, was für ihn völlig in Ordnung war.

Das Wochenende kam und Ich begrüßte den Samstag mit einem alten Schlager aus den 70ern. Während ein „Guten Morgen Sonnenschein, lala lala lala lala dideldum…“ durch die Wohnung schallte kurbelte ich den Rolladen vom Balkon hoch. Mit jedem Zentimeter den der Rolladen nach oben fuhr wanderten die Sonnenstrahlen an meinem Bein entlang nach oben und ich freute mich auf einen entspannten Ausflug in die Rhön! Energie tanken, meine Seele baumeln lassen und beim Spaziergang durch den Schnee die Ruhe der Natur genießen. Das war mein Ziel.

Eine Stunde später wurde ich abgeholt. Ich verstaute meine Wanderschuhe und den Rucksack mit zwei Äpfeln und einer Thermoskanne Tee im Kofferraum neben den Skischuhen meines Bekannten. Dabei erzählte er mir dass wir noch einen kleinen Zwischenstop in Unterpleichfeld in der Skiklinik machen müssen, weil er seine Skier dort zum Kanten schleifen abgegeben hatte. Die Skiklinik kenne ich bereits seit mehr als 20 Jahren. Dort hatte ich mir meine ersten Carving-Ski der Marke Head ausgeliehen und war damals schon total begeistert dass man eine Leihgebühr nur für die Tage bezahlt an denen man auch Ski fährt.

Unser nächster Zwischenstop war nur ein paar Kilometer weiter in Bergtheim. Wir spürten dass es Zeit für eine leckere Leberkäs-Semmel war oder wie der Unterfranke sagt, einen Leberkäs-Weck. Und weil wir beide die Bücher von Rita Falk gelesen haben, bekräftigten wir unsere Entscheidung mit der Erkenntnis dass auch beim grantigen Dorfpolizisten Franz Eberhofer eine Leberkäs-Semmel zu den natürlichen Genuss-Momenten am Vormittag gehört. Gleich nach dem Ortseingang bogen wir auf den Parkplatz vom Edeka Peks ab um uns ein zweites Frühstück zu besorgen und natürlich um über den dazugehörigen Senf zu diskutieren. Süß oder mittelscharf? In Unterfranken: mittelscharf! Damals wusste ich übrigens noch nicht dass der Jürgen Peks ein super sympathischer Typ, Familienvater und Gitarrist ist. Kennengelernt haben wir uns erst ein halbes Jahr später bei einer Musiker-Grillfete in Gemünden.

Ich mach dir einen Schnee-Engel

Nach einer Stunde Fahrtzeit erreichten wir den Parkplatz am Skilift Zuckerfeld. Es war ein Traum! Schnee so weit das Auge reichte und ich war völlig fasziniert von der Art wie die Sonnenstrahlen die Schneekristalle zum funkeln brachten die wie Kuchenglasur die Bäume und Felder überzogen. Ich schlüpfte in meine Wanderschuhe und begleitete meinen Bekannten zur Märchenwiesen-Hütte wo er die nächsten Stunden die 800 m lange Abfahrt immer wieder runterfahren wollte. Bevor ich zu meinem Schneespaziergang aufbrach, wartete ich noch bis er das erste Mal auf Skiern die Piste runter fuhr und musste mir eingestehen dass sein Schwung, wie er bereits auf der Fahrt hierher behauptete, im Vergleich zu meinem kantigen Freestyle wohl doch als elegant zu bezeichnen ist.

Ich stapfte durch den Schnee davon und erreichte schon bald das Random auf der Wasserkuppe. An der ehemaligen Radarkuppel von der einst die Briten, US-Amerikaner und die Bundesluftwaffe den Luftraum überwachten genoss ich den traumhaften und beeindruckenden Rundumblick über die Berge der Rhön. Es war herrlich so durch den tiefen Schnee zu laufen und dabei die warmen Sonnenstrahlen zu spüren. Eine ganze Weile war ich für mich völlig alleine und genoss diese wunderbar beruhigende Stille bis ich auf ein Pärchen traf das, scheinbar frisch verliebt, herumalberte bis sie sich rückwärts in den Schnee fallen ließ und anfing mit den Armen und Beinen zu rudern. Nachdem sie wieder auf ihren Füße stand sah man ihren Körperabdruck mit Engelsflügeln im Schnee. Ich war beeindruckt.

Wieder zurück in der Märchenwiesen-Hütte suchte ich mir einen freien Platz und wartete mit einem heißen Tee auf meinen Bekannten. Der hatte seine Kondition wohl ein wenig überschätzt und kam kurz darauf, ebenfalls früher als verabredet, ziemlich erschöpft aber mega glücklich zu mir an den Tisch. Er trank noch schnell ein Isotonisches Getränk, dann liefen wir zurück zum Auto um den Abend im Kloster Kreuzberg mit einem leckeren Klosterbier und einer schmackhaften Brotzeit ausklingen zu lassen. Das Klosterbier und die viele frische Luft sorgten ein paar Stunden später bei mir für eine entsprechende Bettschwere und ich schlief tief und fest bis zum nächsten Morgen durch.

DIe Aufnahmen die ich an diesem herrlichen Wintertag gemacht habe liegen fast auf den Tag genau zwei Jahre zurück. Ich klappe meinen Laptop auf und suche im Internet nach einer Webseite mit den aktuellen Schneeverhältnissen in der Rhön. Schnell werde ich fündig und lese dass die Schneelage das Skifahren zwar erlaubt, aber die aufgeführte Schneehöhe und die Wettervorhersage erzeugen bei mir dann doch eine nachdenkliche Stimmung und ich frage mich ob ich vielleicht in zwanzig Jahren wenn mich die Kinder meiner Nichten besuchen kommen, ihnen vielleicht in meinem Fotoalbum die Bilder zeige wie ein sonniger Schneetag einmal ausgesehen hat….könnte ja sein….denkt mal drüber nach 😉