Im Mikro-Kosmos meiner Erinnerungen (Jan-Juni)

Danke

Eine der wohl am häufigsten gestellten Fragen zum Jahreswechsel ist „Na, wie war dein Jahr?“ und ich grüble darüber wie man diese Frage an so einem Abend ohne größeres Nachdenken beantworten kann. Wovon macht man es abhängig ob ein Jahr gut oder schlecht, erfolgreich oder ein Desaster war? Bereits seit Jahren nehme ich diese doch sehr persönliche Frage mit nach Kist in den Saunagarten um sie mir ein paar Tage vor Silvester in Ruhe zu beantworten.

Stille, körperliche und geistige Entspanntheit und der Anblick unverbauter Natur schicken meine Gedanken auf Reisen und ich sehe mich Anfang Januar an meinem Laptop sitzen und BEWUSST LEBEN, ZEIT GENIESSEN, GLÜCKLICH SEIN, GESUNDE ERNÄHRUNG und NATUR SPÜREN auf das Dokument „Persönliche Ziele“ schreiben. Was ist aus meinen Zielen geworden? Habe ich sie erreicht?

Gerald Plessgott

In der ersten Januarwoche war ich mit einer guten Bekannten zum Essen verabredet. Sie hatte mir von einem Afghanischen Restaurant erzählt. Diese Küche, das Land und die Kultur waren mir völlig fremd und so recherchierte ich einen Tag vorher ein wenig im Internet. Ich fand auf der Homepage des Restaurants den Hinweis dass hier ohne Geschmacksverstärker, mit frischen Zutaten und nach traditionellen Familienrezepten gekocht wird. Das hörte sich spannend an und der Blick in die Speisekarte weckte meine Lust auf Pakaura, einem gebratenen Gemüse im Teigmantel aus Kichererbsenmehl und den leckeren Kebab-Fleischgerichten vom hauseigenen Lavasteingrill.

Bei Wikipedia bekam ich Informationen über das Land und die Kultur und auf einer weiteren Seite fand ich einen interessanten Bericht darüber was und wie man in Afghanistan isst. So vorbereitet konnte ich das Essen, das wir von Schuhen befreit, sitzend auf dem Boden zu uns nahmen, auf landestypische Art und Weise BEWUSST genießen und es entstand dabei ein wundervoll unbeschwertes Urlaubsfeeling.

Gerald Plessgott

Bewusst leben

Eine Woche nach meinem „Kurzurlaub“ in die Kulinarischen Welt Afghanistans besuchte ich ein Konzert von Xavier Darcy im CAIRO. Als Support hatte er einen jungen Würzburger Singer-Songwriter namens Jakob dabei der mich durch seine eindringliche und intensive Art seine Songs zu präsentieren emotional abholte und uns alle spüren liess wie tief Musik berühren kann.

Als Musiker kann ich manchmal gar nicht sagen was emotional intensiver ist: ein gutes Konzert zu besuchen oder selbst ein tolles Konzert zu spielen. In der darauffolgenden Woche durfte ich selbst zur Gitarre greifen und mit meiner Band AMELY DAY in der Keller-Kneipe der ESG ein Konzert spielen und es machte mich wieder unglaublich GLÜCKLICH die Reaktionen der Zuhörer zu sehen und den Spaß und die Freude meiner Bandmitglieder zu spüren.

Im Februar begab ich mich noch einmal auf eine imaginäre Reise. Diesmal nach Indien ins Taj Mahal. Nachdem ich online in der Speisekarte geblättert hatte beschränkten sich meine Vorbereitungen für den Abend fast ausschließlich auf die kulinarischen Genüsse.

Während meine Bekannte bei einer Tasse Grünem Tee die Speisekarte studierte erzählte ich ihr von meiner Recherche und dass der in der Karte erwähnte Tandur ein Tonofen ist in dem die Speisen auf traditionell indische Art zubereitet werden in dem das marinierte Fleisch an einem Spieß in den Ofen gehängt und gegart wird. Auch das indische Fladenbrot Naan, das man zu den Hauptspeisen isst, wird im Tandur an die Seitenwand gedrückt, kurz gebacken und dann frisch serviert.

Das machte sie neugierig und wir waren gespannt welche interessanten Geschmackserlebnisse und GENUSSMOMENTE wir auf unserem kulinarischem Kurzurlaub erleben werden. Unser gemeinsames Highlight war diesmal die Nachspeise. Es gab Kulfi, ein Indisches Eis für das neben den gebräuchlichen Zutaten noch Kardamon, Safran und Rosenwasser verwendet wird. Ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis das uns die Vielfalt der indischen Küche näherbrachte und mich an den Roman Der Koch von Martin Suter denken ließ.

Ein paar Wochen später war ich nach langem mal wieder mit meinen fußballbegeisterten Bekannten in Nürnberg im Stadion. Die meisten von uns sind beruflich und privat stark eingespannt oder müssen ihre Gefühle im Alltag bremsen. Doch mit dem Einatmen der Stadionluft spüren wir eine gewisse Art von Freiheit und wir durchlaufen die gesamte Palette aller EMOTIONEN in einer Zeitspanne von nur 2 mal 45 Minuten an nur einem Nachmittag. Es war mir daher ein Inneres Bratkartoffel essen gemeinsam mit ihnen diese GEFÜHLE in einer tief schürfenden GEMEINSCHAFT im Stadion empfinden zu dürfen.

Zeit genießen

Im April gab es eine Bandprobe der besonderen Art. Wir packten unsere Instrumente ein und fuhren zum Ingo, einem guten Freund, um in seinem Wohnzimmer zu proben. Ingo begleitet meine Musik bereits seit den ersten Kompositionen und so war es für uns eine FREUDE ihm unser neues Material vorzustellen.

Amely Day beim Ingo
In Erinnerung an einen guten Freund: Ingo Wälisch ✝️ 2020

Während Ingo in seinem Wohnzimmer, das schon mancher Besucher mit einem Tonstudio verwechselte, unsere Instrumente verkabelte, spielte ich meinen Jungs einen frisch komponierten Song vor. Nach ein paar Takten stieg Martin mit ein und ergänzte ein paar Fill Ins auf der Sologitarre und während ich mich in stabiler Rückenlage auf dem Sessel unter Ingos Kabelgewusel hinweg duckte kamen Martinello am Bass und Rudi am Cajon rhythmisch dazu.

Ingo hatte sichtlich Spaß seine Strippen über, unter und an uns vorbei zu ziehen und als wir alle verkabelt waren nahm er seine Shaker und spielte mit. Und ich spürte ganz tief in mir: etwas zu tun das man mit anderen Teilen kann ist ein unglaubliches GLÜCK!

Zu Besuch bei Renate Haimerl Brosch

Der Mai hielt für mich viele emotionale Highlights bereit. Mit meiner Band Amely Day durfte ich zwei tolle Konzerte spielen und die Musik-Kreativ-Tage in Hammelburg, an denen ich aktiv teilnahm, waren für mich wieder ein unglaubliches ERLEBNIS.

Gedanklich bleibe ich aber, neben meiner Erinnerung an meine persönliche Annäherung an die Würzburger Kunst- und Kulturszene am längsten am Bester-Freund-Tag hängen. Womöglich weil materielle Dinge immer mehr an Bedeutung verlieren und es kaum noch etwas gibt auf das man bis zu seinem Geburtstag oder bis Weihnachten warten möchte. Und weil der Sofortismus jegliche Vorfreude auffrisst finde ich es großartig dass ich von einem guten Freund und er von mir bereits seit vielen Jahren einen Tag ZEIT zum Geburtstag geschenkt bekomme.

Guinness

Im Mittelpunkt steht dabei traditionell ein Saunabesuch, eingerahmt von einem ausgiebigen Frühstück, einem ausgezeichneten Abendessen und einem finalen Pub-Besuch mit einem süffigen Guinness. Wieder ZEIT GENIESSEN können ist etwas das ich an solchen Tagen sehr BEWUSST wahrnehme.

GLücklich sein

Im Juni rückte etwas lange Vergessenes in mein BEWUSSTSEIN. Hammelburg lud zur Kunstnacht und ich besuchte mit Freunden Christel Dräger die ihre Bilder im Rinecker Haus ausstellte. Christel malt noch nicht sehr lange und hat ihren endgültigen Stil, wie sie mir erzählte, auch noch nicht gefunden. Aber sie wollte mit ihren Gefühlen die sich in ihren Bildern widerspiegeln raus an eine Öffentlichkeit um sie zu teilen, sich mit ihnen auseinandersetzen und sich durch fremde Wahrnehmungen inspirieren zu lassen. Das empfand ich als wahnsinnig mutig und empfinde immer noch tiefe Bewunderung.

Christel Dräger
Christel Dräger

Der ganze Monat Juni war gefüllt von intensiven Momenten und Begegnungen. Mit Amely Day spielte ich ein wundervolles Konzert in der Musik Butik in Darstadt vor einem unglaublich Musik affinen Publikum und war Gast im Hause von Renate Haimerl Brosch in Neukirchen die eine Ausstellung im Weytterturm Straubing vorbereitete.

Ich ging in Veitshöchheim am Main auf Entdeckungsreise und besuchte den Hofgarten der Würzburger Residenz um mir BEWUSST zu machen wie schön diese Stadt ist die jährlich viele hunderttausend Besucher willkommen heisst. Und dann war da noch unser Auftritt mit Amely Day beim Umsonst & Draussen Festival…. (Weiterlesen)