Im Interview: Eva Wenig von „Meine Gartenzeit“

Hangbeet

Heute bin ich mit Eva Wenig verabredet. Eva ist Mama von zwei kleinen Jungs und lebt mit ihrem Mann in Niederbayern am Rand des Bayerischen Waldes. Dort in ihrem neu gebauten Haus hat sie vor sieben Jahren damit begonnen, aus dem Gestrüpp und Unkraut das sich auf dem Grundstück befand, einen Garten mit Hangbeeten, Kräuterbeeten und Blumenbeeten anzulegen, damit die Bienenvölker, die sie mit ihrer Schwägerin betreut, auch immer genug Nahrung finden.

In ihrem wundervollen Blog Meine Gartenzeit erzählt sie von ihren Erfolgen und Misserfolgen beim Anlegen von Hochbeeten, beschreibt in ihrem Gartenkalender alle anfallenden To-Do`s in ihrem „kleinen Paradies“ und schreibt über alles was in ihrem Obstgarten blüht, flattert und zu Besuch aus dem Nahe gelegenen Wald vorbeikommt. Und das auf eine so persönliche Art, dass man beim Lesen spürt, dass sie ihre Gartenzeit mit einer bewussten Auszeit vom Alltag verbindet, die mit ganz vielen Glücksgefühlen angereichert ist.

Eva Wenig

Entdeckt habe ich Evas Blog zufällig bei meiner Recherche für einen Blog-Beitrag über „Die 10 Besten kalorienarmen Snacks“ und bin sofort hängen geblieben. Denn neben tollen Rezepten für Mangold-Flammkuchen, naturgesunde Fruchtleder und Grünkohl-Chips, bastelt Eva auch noch mit Moos, Zwiebelschalen, Hagebutten und was sie sonst noch so in ihrem Garten findet.

Hallo Eva! Schön, dass du Zeit für mich hast. Du lebst hier in einem kleinen Paradies, umgeben von Wald, Wiesen und Felder…könntest du dir ein Leben in der Stadt vorstellen?

Eva: Hallo Gerald, ich danke Dir für die Einladung zum Interview. Wir leben hier wirklich im Paradies und genießen die Vorzüge des Landlebens.

Tatsächlich habe ich mehr als 20 Jahre lang in unserer damaligen Hauptstadt gewohnt und auch diese hat ihre Vorzüge. In der Stadt ist vieles zu Fuß oder mit Bus und Bahn innerhalb kürzester Zeit erreichbar. Meine Freunde und Familie wohnten höchsten 20-30 Minuten entfernt.

Doch die Sehnsucht nach Landleben schlummerte in mir, denn ich bin auf dem Land aufgewachsen. In der Stadt war ich zuletzt froh über den eigenen kleinen Garten der Mietwohnung. Die „Liebe“ hat letztendlich nicht nur den Wunsch nach einer eigenen Familie erfüllt, sondern gleichzeitig das Leben auf dem Land ermöglicht, wo unsere Kinder nun mitten in der Natur aufwachsen können. Für sie kann ich mir nichts Schöneres vorstellen.

Wir wohnen übrigens im Hang

Dein Garten ist in verschiedene Bereiche unterteilt. War das von Anfang an so geplant? Oder was hat sich im Laufe der Jahre verändert?

Eva: Wir haben auf einem vorhandenen, länger verlassenem Grundstück der Familie meines Mannes gebaut. Der große Obstgarten war schon da. Diesen haben wir letztes Jahr noch erweitert. Alles Andere ist Stück für Stück entstanden.

Wie es so ist, wird das Haus zuerst fertig und rund herum bleibt eine Baustelle. Wenn die Zeit es hergibt, dann versuche ich „unschöne Ecken“ Stück für Stück freundlicher oder nützlicher zu gestalten.

Zuerst war der Bereich in der Einfahrt dran, quasi das „Willkommen“ Schild des Hauses. Es folgten kleinere Ecken hier und da wie z.B. das Kräuterbeet – da wir gerne frisch und vielseitig kochen!

Wir wohnen übrigens im Hang. Deswegen gibt es kaum ein flaches Beet und jede neue Erschließung ist eine Herausforderung. Vor dreieinhalb Jahren haben wir ein neues langes Hangbeet von ca. 100qm angelegt: blüten- und nektarreiche Pflanzen quer übers ganze Jahr.

Trotz zaunlosem Garten haben wir eine gute Abgrenzung von Rasen zu Wiese umsetzen können und vor zwei Jahren kamen noch sechs Hochbeete für eigenes Gemüse hinzu. Ich schätze es wird auch weiterhin immer wieder neue Projekte geben!

Der „Naschgarten“ hat sich sehr gut entwickelt

In eurem Obstgarten stehen Apfel-, Birnen-, Zwetschgen- und Kirschbäume und ihr hattet geplant noch weitere dazu zu setzen. Was ist aus den Plänen geworden?

Eva: Das ist richtig. Wir haben einen größeren Baumbestand mit alten Obstsorten. Da die Bäume wirklich sehr alt sind, haben uns mit den Jahren leider drei Bäume nach Stürmen verlassen.

Doch um nicht in einigen Jahren einen weiteren großen Teil der Bäume und des Obstes zu verlieren, haben wir letztes Jahr von einer Baumschule nochmal 7 Bäume und 10 Obststräucher einpflanzen lassen. Zur Geburt unseres ersten Sohnes gab es übrigens einen kleinen Apfelbaum vom Gartenbauverein.

Aufgehende Zwetschgen werden im Garten verteilt. Den trockenen Sommer letztes Jahr haben sie überstanden. Jetzt müssen wir uns nur noch im Obstbaumschnitt schulen.

Der „Naschgarten“ hat sich sehr gut entwickelt. Hier kämpfe ich aktuell nur noch gegen Unkraut. Der Plan ist Immergrün und Walderbeeren als Bodendecker.

Die monatlichen Garten To-Do`s

Für die Arbeiten in deinem Garten hast du einen hilfreichen Gartenkalender erstellt, in dem du alle Arbeiten im jeweiligen Monat auflistest und deine Leser an der Umsetzung teilhaben lässt. Ist dein umfangreiches Wissen angelesen oder aus der praktischen Umsetzung entstanden?

Eva: Ich würde sagen, sowohl als auch. Gartenzeitschriften und -bücher finden sich immer auf meinem Nachttisch. Es ist allerdings eine Mischung aus „….ich habe gelesen, ich müsste jetzt…“ und „…ich schaue in den Garten und merke, ich müsste jetzt…“.

Bin selbst ein strukturierter Mensch, und damit mir nichts untergeht, arbeite ich gerne mit Listen. So sind über die Jahre die monatlichen Garten To-Do`s entstanden, die ich gerne auf meinem Blog teile.

Mir hat dein Beitrag über die Erfolge und Misserfolge im Nutzgarten sehr gefallen. Wie sieht deine Planung für 2021 aus?

Eva: Tja, warum soll man immer nur die Erfolge und die „heile Welt“ mit anderen teilen? Es klappt halt nicht alles beim Gärtnern, aber an den Misserfolgen wächst man auch.

Habe dieses Jahr natürlich versucht alle Punkte aus denen ich lernen wollte, umzusetzen. Mein Plan ist bisher nur auf dem Papier hingekritzelt, so konnte ich ihn noch nicht auf dem Blog teilen.

Durch das Wetter dieses Jahr hängt auch einiges um 3-4 Wochen hinterher. Die größten Planänderungen seit dem letzten Jahr: mehr von dem was wir wirklich essen, statt was gut gedeiht und natürlich auch mehr Platz für Spontanes. Bin gespannt, ob die Pläne aufgehen.

Was wir alle gerne essen

Worüber ich sehr schmunzeln musste, war der Tipp „Kein Gemüse pflanzen, das man nicht isst“ in deinem Beitrag über vermeidbare Fehler in der Hochbeet-Planung. Hälst du dich da wirklich dran, oder probierst du auch einmal etwas komplett Unbekanntes aus?

Eva: Da bist Du ja genau auf den Punkt gestoßen, der mich mit am meisten geärgert hat. Die Gemüsebeete waren voll, aber irgendwie haben wir aus Vielem nichts gemacht.

Mit Mangold, Spinat, krausen Salaten oder Schalerbsen konnte sich meine Familie einfach nicht anfreunden. Sechs Hochbeete klingen viel, aber der Platz wird doch immer eng, bei all den Wünschen, die man so hat. Daher habe ich diesmal wirklich versucht das anzusäen, was wir alle gerne essen.

Neu und erfolgreich war letzten Winter schon Grünkohl für mich. Diese Jahr, zum ersten Mal im Garten, sind Zuckerschoten, Edamame, Rosenkohl und Brokkoli, natürlich nicht neu auf dem Speiseplan. Bisher unbekannt und auf dem Plan stehen z.B. Herbstrüben. Aber auch einige historische Gemüsearten wir Haferwurzeln möchte ich probieren.

Die Leidenschaft für den Garten wurde mir in die Wiege gelegt

Deine große Leidenschaft sind die Blumen. Das erkennt man auch an deinen tollen Fotos und in den Stories auf deinem Instagram-Account „meine_gartenzeit“. Was sind deine Lieblingsblumen? Und woher kommt diese Leidenschaft?

Eva: Vielen lieben Dank! Puuh, die Lieblingsblumen? Es gibt einfach zu viele schöne Blumen, als dass man Einzelne benennen könnte.

Ich mag gerne Kronen-Anemonen, weil sie so selten in meinem Garten sind. Im Frühling mag ich Narzissen & Hyazinthen, später Kuhschellen, Iris, Storchschnabel, Akkelien, Sonnenhut, Astern…ach, ich könnte ewig so weiter schreiben.

Die Leidenschaft für den Garten wurde mir in die Wiege gelegt. Mein Papa hat immer gern gegärtnert und oft konnte ich ihn begleiten, damals noch zu Hause, später nach dem Umzug im Schrebergarten. Obwohl sein Herz für den Nutzgarten schlug, hat er seinen Garten immer gern mit Blumen verschönert und sich daran erfreut.

Blumen tun einfach meinem Gemüt gut. Eine neu entdeckte Blüte im Garten schenkt mir einfach Glücksgefühle. Wenn sie auch noch Schmetterlinge, Bienen oder andere Insekten anlockt, umso besser. Dazu fotografiere ich einfach gern, rein hobbymäßig. Meine technischen Defizite versuche ich durch gute Blickwinkel und gutes Zubehör auszugleichen. Dieses Hobby lässt sich übrigens auch gut neben zwei kleinen Kindern umsetzten.

Im Winter ist große Pause im Garten

Dein Garten ist auch ein kleines Tierparadies. Im Winter verwöhnst du die Vögel mit selbst gemachtem Vogelfutter, Schmetterlinge und Bienen erfreuen sich an deinen Blumen und die Tiere aus dem Wald sind gerne zu Gast in eurem Obstgarten. Wie geht es deinen Bienen? Und hast du schon einmal über Haltung von Hasen und Hühner nachgedacht?

Eva: Ich erfreue mich einfach an allem was im Garten passiert. Im Winter ist große Pause im Garten, vor allem in einer häufig so verschneiten Gegend wie bei uns. So habe ich vor ein paar Jahren das Beobachten von Vögeln für mich entdeckt. Es entspannt mich.

Auch mein Sohn und mittlerweile sogar mein Mann, findet es spannend neue Vögel im Garten zu entdecken. Ich finde es schön, wenn mein Sohn mit seinen 5 Jahren bereits einige Arten erkennt.

Dazu hat meine Schwägerin vor wenigen Jahren mit einem Bienenvolk angefangen und mich mit der Leidenschaft angesteckt. Zu zweit imkert es sich einfach auch besser. Den Bienen geht es gut, auch wenn dieses Jahr das Wetter nicht gerade bienenfreundlich ist. Dennoch finden sie aktuell viel Löwenzahn und unsere Obstblüte.

Tiere, die sich notfalls auch selbst versorgen können, kann ich zeitlich gerade so handeln. Daher stehen andere Tiere nicht in Planung. Aber meine Schwägerin, die Nebenan wohnt, liebäugelt mit Hühnern, wer weiß…

Zum Schluss noch eine persönliche Frage: Seit einem Jahr befinden wir uns nun schon im Lockdown und die Menschen vermissen die kleinen Annehmlichkeiten des Lebens. Worauf freust du dich, wenn es wieder spürbare Lockerungen gibt?

Eva: Für uns auf dem Land sind die Einschränkungen gefühlt nicht zu groß. Wir können uns frei und großflächig ums Haus bewegen, und haben das Glück, dass die nächste Familie direkt nebenan wohnt und unsere Kinder Spielkameraden haben.

Ich freue mich, dass wir nun auch wieder mit den Kindern Tierparks besuchen können. Am meisten freue ich mich, wenn es wieder möglich ist, meine räumlich weit entfernte Familie wieder zu sehen, Freunde zu treffen, auf Urlaub und zu shoppen.

Vielen Dank Eva, dass du dir die Zeit genommen hast, mir einen kleinen Einblick in deine Gartenzeit zu gewähren. Ich freue mich auf tolle Insta-Posts und Stories von deinem kleinen Paradies und natürlich auf viele interessante und unterhaltsame Beiträge über deine Gartenzeit!