Ein Jahr im Weinberg: September

weinfass mit stühlen

Der Sommer geht langsam zu Ende und die Vorbereitungen für den Ernteeinsatz laufen langsam an. Ungeduldig warte ich auf die Online-Nachricht „Es gibt wieder frischen Federweißer, direkt ab Hof“, denn die Weinlese für Federweißer beginnt bei den ersten Weingütern bereits Anfang September.

Gelesen werden die Rebsorten Ortega und Solaris. Das sind frühreife Sorten, die häufig für Federweißer verwendet und speziell dafür angebaut werden. Aber auch Bacchus, Müller-Thurgau und Kerner sind gängige Sorten.

Nach der Lese der Trauben müssen die Winzer:innen jeden Morgen schauen, welcher Tank fertig ist und wo die gold-gelbe Farbe erreicht wurde. Erst dann kann der Federweißer abgefüllt und verkauft werden. Die Federweißer-Saison dauert etwa sechs Wochen.

Tipp:
Federweißer, der regional auch Bremser genannt wird, genießt man am Besten mit einem Stück Zwiebelplootz (=Zwiebelkuchen)

Für die Hauptlese ist es noch etwas zu früh. So richtig los geht es ungefähr gegen Mitte September und kann, je nach Reifezeit der unterschiedlichen Traubensorten, bis Anfang November dauern. Die Lese kann sich aber auch bis Januar hinziehen, wenn die Trauben für die Spätlese und den Eiswein nach den ersten starken Frösten geerntet werden.

Die Beeren haben mittlerweile einen Zustand erreicht, in dem sich erste Rückschlüsse auf das aromatische Potenzial ziehen lassen. Jetzt wird der Blick der Winzer:innen auf das Refraktometer, mit dem die Konzentration des Zuckers im Traubenmost gemessen wird, immer wichtiger. Denn es gilt für die Weinlese den optimalen Zeitpunkt zu finden.

Dabei gehen den Winzern viele Fragen durch den Kopf:

  • Wie viel Zeit brauchen die Trauben noch für die Reife?
  • Sind die Beeren nicht nur süß, sondern sind sie so reif, dass auch die Kerne nicht mehr bitter schmecken?
  • Wie lange hält noch dieses Wetter?
  • Welche Lage kann als erstes gelesen werden?
Fun Fact:
Durch eingehende Verkostung merken erfahrene Winzer:innen schnell, ob die Beeren noch eine Weile am Rebstock verbleiben sollten, oder ob die Lese bereits kurz bevorsteht.

In manchen Weinlagen taucht im September noch ein „tierisches“ Problem auf. Die reifen Trauben sind auch heiß begehrt bei Vögeln, Kaninchen und Wildschweinen. Tauchen diese „Mitesser“ vermehrt auf, sind Gegenmaßnahmen gefordert, damit die Winzer:innen am Ende nicht noch um die Früchte ihrer Arbeit gebracht werden.

Sobald der perfekte Zeitpunkt für die Weinlese gekommen ist, schwärmt ein Team aus Helfern, das die Winzer:innen bereits vor Wochen zusammengestellt haben, in die Weinberge aus, um die Trauben von den Rebstöcken zu lesen.

Die Lese wird zum Teil auf die traditionelle Weise vorgenommen. Die Trauben werden mit der Hand abgeschnitten und in Eimern oder Behältern (Bütten) aus Holz oder Kunststoff gesammelt. Die Handlese ermöglicht es den Winzer:innen, nur die reifen und gesunden Trauben abzuschneiden. Durch diesen Vorgang wird die Qualität des Weines gesteigert und ist gleichzeitig namengebend für die besonderen Auslese-Weine der Qualitätsstufe Q.m.P. (Qualiätswein mit Prädikat).

Deutlich schneller geht es, wenn die Traubenernte maschinell erfolgt – das aber ist vor allem bei höherwertigen Weinen oftmals nicht gestattet und in Steillagen unmöglich. Zum Einsatz kommen sogenannte Traubenvollernter. Das sind Maschinen, die über die Reihen der Rebstöcke hinwegfahren und die Trauben durch Rütteln oder Klopfen entfernen.

Die maschinellen Erntehelfer verrichten ihre Arbeit zwar schneller als ein Mensch, allerdings geraten dabei auch Laub und Äste ins Lesegut, die dann wieder entfernt werden müssen.

Fun Fact:
Jedes Jahr zur Weinlese bieten verschiedene Weingüter die Möglichkeit, bei der Ernte zu helfen. Bei der geselligen Weinlese lernen die Helfer:innen viel über den Wein und erhalten einen tiefen Einblick in das Leben von Winzer:innen. Belohnt werden die Helfer:innen mit einer deftigen Brotzeit und einer anschließenden Verkostung.

Die gesammelten Beeren werden nach dem Ernten so schnell wie möglich ins Weingut gebracht, damit sie nicht schon unterwegs anfangen zu gären. Hier erfolgt eine professionelle Selektion des Lesegutes, bei der erneut nach minderwertigen Beeren Ausschau gehalten wird.

Eine Maschine zupft die Trauben von ihren Stielen und quetscht sie zu einem Brei aus Fruchtfleisch, Traubenkernen, Beerenschalen und Saft – der Maische. Den Vorgang nennt man übrigens „entrappen“.

In der Weinpresse werden die Beeren dann zu Most gepresst. Anders als beim Weißwein füllt der Kellermeister die Rotweinmaische vor dem Keltern erstmal ein paar Stunden in einen Gärtank. Der dabei entstehende Alkohol löst die Geschmacks- und Aromastoffe und den roten Farbstoff aus den Beerenhäuten.

Nach dem Keltern und der Klärung des Mostes folgt die wichtigste Phase der Weinherstellung: die Gärung.

Jetzt sind wir aber schon im Oktober….und was alles bei der Gärung passiert und wie man den neuen Jahrgang nicht nur mit den Augen, sondern bereits am Gaumen kennenlernt, erzähle ich euch in ein paar Wochen!